Start: 2018

Soja

Wissen – Gesellschaft – Stadt

Soja boomt und Soja ist – sobald man sich damit beschäftigt – überall. Die mit dem Gebäude des Volkskundemuseums verwobene Geschichte von Soja in Europa und Wien ist der Ausgangspunkt, sich auf unterschiedlichen Wegen dem historischen wie gegenwärtigen Phänomen Soja zu nähern. Seit Jänner 2018 wird am Museum in diversen Forschungs-, Darstellungs- und Vermittlungsformaten Soja als gesellschaftliches wie wissenschaftliches Querschnittsthema erkundet, präsentiert und an jenem urbanen Ort thematisiert und beforscht, an dem alles begonnen hat.
Soja und Wien

Vor 140 Jahren wurde in Österreich erstmals Soja angebaut. Seit dem Beginn gibt es enge Verbindungen zwischen Soja und dem Gartenpalais Schönborn, in dem sich seit 1917 das Volkskundemuseum Wien befindet: 1872 war der „europäische Sojapionier“ Friedrich Haberlandt (1826-1878) an die neu gegründete Hochschule für Bodenkultur berufen worden, die im Gartenpalais Schönborn ihre Heimstatt fand. Für mehrere Generationen der Familie Haberlandt bildete das Gebäude des Gartenpalais den Rahmen bedeutender Stationen ihrer wissenschaftlich-disziplinären wie auch institutionellen Karrieren, war doch Friedrichs Sohn Michael Haberlandt (1860-1940) der spätere Gründer des Volkskundemuseums.

Auf der 1873 in Wien stattfindenden Weltausstellung hatte der Pflanzenbauexperte Friedrich Haberlandt die Sojapflanze bzw. Sojabohne für sich und seine Wissenschaft entdeckt. Vom Gartenpalais Schönborn aus startete er die ersten Anbauversuche dieser für ihn mit hohen Erwartungen in den Bereichen Volksernährung und Volkswirtschaft verbundenen Pflanze. Die von Haberlandt initiierten und organisierten Zucht- und Anbaubestrebungen werden heute als bedeutender Ausgangspunkt und Grundlage für die Entwicklungsprozesse der weltweiten Verbreitung, Produktion, Verarbeitung sowie des Konsums und Verbrauchs von Soja beschrieben und erzählt.

In kulturanalytisch-historischen Näherungen gilt es zum einen die spezifischen Konstellationen von und für Soja in der Groß- und Hauptstadt Wien zu berücksichtigen; und gleichzeitig die mehr oder minder direkten Verflechtungen des urbanen Zentrums mit ruralen Peripherien herauszustellen und zu befragen.

Zwei – oftmals zusammenhängende – Ebenen stehen dabei im Vordergrund: Zunächst die Ebene, die nach bestimmten Personen, Milieus, Gruppierungen und Interessen fragt und zweitens jene Ebene, die sich mit der „Idee Soja“, mit ihren kulturellen, sozialen, wirtschaftlichen und ethischen Implikationen beschäftigt.

Soja und (Volkskunde)Museum

Mit dem möglichst groß gesteckten Feld „Soja“ lotet das Volkskundemuseum Wien museale Möglichkeiten aus. Nachdem im Herbst 2018 ein multidisziplinäres und vielseitiges Symposium zum Thema Soja-Konstellationen. Wissenschaft – Gesellschaft – Stadt am Volkskundemuseum Wien stattgefunden hat, gilt es die dort gewonnen Erkenntnisse bzw. die dort gestellten Fragen und Lücken produktiv für das Museum zu nutzen. Das Projekt bietet eine Schnittstelle zwischen Wissenschaft, Gesellschaft und (Stadt)Öffentlichkeit und bezieht gleichzeitig so viele AkteurInnen und Bereiche des Volkskundemuseums wie möglich mit ein. Dabei schlägt das Museum neue Wege ein: Es gilt der „fluiden“, noch nicht verfestigten Konsistenz des Themas gerecht zu werden, es kommunikativ und partizipativ weiterzudenken und zu erforschen, welche Möglichkeiten der Vermittlung, des Austauschs und der Teilhabe sich bieten.

Soja-Formate

Im Vermittlungsprogramm finden Workshops statt, die sich der Komplexität, der Ambiguität und der vielfältigen und vielstimmigen Diskussion rund um Soja widmen. Konkrete Sojapraxis und konkretes Soja-Wissen präsentieren sich in den Soja-Koch-Workshops, Formen der Kooperation, des Austauschs und des Zusammenbringens von bisher eher getrennten Bereichen bieten Veranstaltungen wie Soja'n'Most oder ein japanisch-österreichischer Soja-Abend. Auch eine Soja-Exkursion nach Ungarn fand statt.

Blog

MuSOJAm ist eine vielstimmige Plattform für PraktikerInnen, WissenschafterInnen, KritikerInnen und viele mehr, die beruflich oder in ihrem  Alltag mit Soja zu tun haben. Wir verbinden auf unserem Blog unterschiedliche Zugänge und Perspektiven aus Geschichte und Gegenwart, zu Wissenschaft und Praxis, Stadt und Land, Politik und zivilgesellschaftlichem Engagement, Landwirtschaft und Gesundheit.
MuSOJAm. Soja im Museum

Online Ausstellung


Seit 2019 ist das Soja-Projekt am Volkskundemuseum Wien digital unterwegs. Über die letzten zwei Jahre haben wir Erkenntnisse, Zukunftsfragen und praktische Zugänge auf unserem Blog gesammelt und verhandelt. Die Inhalte sind einem stetigen Austausch mit einer Vielzahl an PraktikerInnen, TheoretikerInnen, AktivistInnen und Soja-Interessierten zu verdanken. Die Zahl der BesucherInnen unserer Soja-Fusionen, der Kochkurse sowie der Tagung und der Soja-Exkursion hat gezeigt, dass Soja viele Menschen – aus höchst unterschiedlichen Perspektiven – interessiert. Wir wollen diese Perspektiven zusammenbringen und gehen daher noch einen weiteren (digitalen) Schritt und entwickeln 2021 aus dem gesammelten Soja-Wissen die Online Ausstellung MuSOJAm.  
www.soja.volkskundemuseum.at


Weiterlesen:
Eine Bohne für alle Krisen (Von Magdalena Puchberger. „Die Furche“ vom 13.6.2019, pdf zum Download)
Curating soya. Trying, testing and tasting (for) a sustainable museum (Von Magdalena Puchberger und Nina Szogs. Nordisk Museologi. Special Theme: Curating Climate. Vol. 30, 2020, online lesen)

Team:
Leitung: Magdalena Puchberger
Konzept und Redaktion: Magdalena Puchberger & Nina Szogs
Vermittlung: Katrin Prankl

Kontakt:
Magdalena Puchberger
T +43 1 406 89 05.52
magdalena.puchberger@volkskundemuseum.at
Volkskundemuseum Wien
Laudongasse 15–19, 1080 Wien
T: +43 1 406 89 05
F: +43 1 408 53 42
E: office@volkskundemuseum.at
W: www.volkskundemuseum.at


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