Start: Mai 2021

Realfiktion Klimarechnungshof

Klimaschutz zwischen wissenschaftlicher Evidenz und demokratischer Kontrolle

Was wäre, wenn? Was wäre, wenn der Klimarechnungshof, wie ihn das österreichische Klimavolksbegehren im Jahr 2020 forderte, schon realisiert wäre? Während der mühsame Weg durch die demokratischen Instanzen noch geführt wird, greift das transdisziplinäre Forschungsprojekt Realfiktion Klimarechnungshof der Zeit voraus und ruft die Institution ins Leben.
Realfiktion Klimarechnungshof ist ein wissensanthropologisches Forschungsprojekt, das von der Universität Wien in Kooperation mit dem Volkskundemuseum Wien durchgeführt wird. In den kommenden zwei Jahren finden eine Reihe von Pre-enactments des Klimarechnungshofs in verschiedenen Formaten im Studio Klimawandelwissen des Volkskundemuseum Wien statt.
 
Wissenschaftliche Leitung:
Prof. Dr. Alexa Färber, Wissensanthropologie, Institut für Europäische Ethnologie Universität Wien
Dr. Milena Bister, Institut für Europäische Ethnologie, Universität Wien & Institut für Europäische Ethnologie, Humboldt-Universität zu Berlin
Prof. Dr. Anna Echterhölter, Wissenschaftsgeschichte, Institut für Geschichte Universität Wien (Pilotphase 2021)

Kuratierung und Dramaturgie:
Alexander Martos, freier Wissenschaftskurator
Herbert Justnik, Kurator, Volkskundemuseum Wien

Studentische Mitarbeit:
Rebecca Akimoto
Niklas Schrade

Zum Institut für Europäische Ethnologie Universität Wien
 
Zwischen Umweltindikatoren, Pfaddiagrammen, dem 1,5-Grad-Ziel, Schädlingsbekämpfung, einem Klimabudget und der tickenden Uhr: Das Wissen um den Klimawandel ist vielfältig. Es ist erfahrungsbasiert und im Alltag verankert, wird wissenschaftlich hergestellt, in unterschiedlichen Disziplinen kontrovers verhandelt, in Politik und Administration aufgegriffen und in Wahlprogramme, Gesetze und Verordnungen gegossen. In unterschiedlichen gesellschaftlichen Bereichen folgt es dabei nicht nur den jeweiligen Sprachregeln und Argumentationsweisen, sondern ist darüber hinaus eng mit Visualisierungen verknüpft, die die jeweiligen Expertisen veranschaulichen. Sie sensibilisieren Menschen für die Klimakrise, doch regen sie auch zu politischem Handeln an?
 
Für die hochaktuelle Frage, wie die Menschheit heute den Klimawandel kontrollieren kann, um für sich selbst und kommende Generationen lebenswerte Bedingungen am Planeten zu erhalten, liegen unzählige Antworten vor. Eine davon wurde vom österreichischen Klimavolksbegehren bei seinem Start 2019 weltweit erstmalig vorgestellt: Der Klimarechnungshof. Als politisch unabhängiges Kontrollorgan des Parlaments wäre der Klimarechnungshof demokratisch beauftragt, die praktische Wirksamkeit von Klimaschutzmaßnahmen zu kontrollieren.
 
Voraussetzung für die Ausübung dieser Kontrollaufgabe ist das Konzept eines globalen CO2-Budgets, wie es 2014 vom Weltklimarat etabliert wurde. Doch wie könnte ein Klimarechnungshof das durchaus umstrittene wissenschaftliche Wissen zum Klimawandel mit politischem Wissen und klimapolitischer Praxis im nationalstaatlichen Maßstab in Verhandlung bringen?
 
Das Forschungsprojekt Realfiktion Klimarechnungshof versetzt alle Interessierten ins Zentrum dieser Herausforderung. In Zusammenarbeit mit Expert*innen aus Wissenschaft, Politik, Verwaltung und Zivilgesellschaft erörtern wir die Auswirkungen des Klimabudgetregimes auf die Möglichkeiten, wie wir den Klimawandel gesellschaftlich konzipieren und demokratisch gestalten können. In Workshops, Performances und Kurzfilmen setzt das Forschungsprojekt innovative wissenschaftliche Methoden der Spekulation ein, um die Produktion von Klimawandelwissen zu untersuchen – bevor und während es wiederum Teil demokratischer Gesetzgebungsverfahren wird. Diesen Prozess bezeichnen wir als Realfiktion, oder auch forschendes Pre-enactment.
 
Mittels vielfältiger Forschungs- und Veröffentlichungsformate verfolgen wir das Ziel, selbst zur Bildung von Klimawandelwissen beizutragen, indem wir Zukunftsimaginationen gestalten und gesellschaftliche Reaktionsmöglichkeiten auf die Klimakrise ausloten. Darüber hinaus dient die Realfiktion Klimarechnungshof dazu, das multimodale Methodenrepertoire wissensanthropologischer Erkenntnisprozesse zu erweitern und methodologisch zu begründen.
 
Das Forschungsprojekt Realfiktion Klimarechnungshof wird vom Institut für Europäische Ethnologie der Universität Wien geleitet und im 1000-Ideen-Programm des Wissenschaftsfonds FWF gefördert. Das Projekt ist Teil der kollaborativen Forschungsinitiative „Studio Klimawandelwissen“, die vom Institut für Europäische Ethnologie initiiert und in Kooperation mit dem Arbeitsbereich für Wissenschaftsgeschichte der Universität Wien und dem Volkskundemuseum Wien seit 2020 durchgeführt wird.

Laufende Entwicklungen, Erfahrungen und Erkenntnisse aus dem Forschungsprozess des Realfiktion Klimarechnungshof.


Das Institutskolloquium „Wetter/Wissen“ als Inspiration für den Klimarechnungshof

Eintrag: 31.08.2022, von Rebecca Akimoto & Niklas Schrade

Klima und Wetter sind nicht dasselbe und doch verweisen sie aufeinander und werden im Alltagsverstand eng miteinander verknüpft: Extreme Wetterphänomene können beispielsweise das Bewusstsein für Klimawandel schärfen und dabei sogar alarmierend wirken. Wie ist die historische Genese von Wetter-Klimawandelwissen? Welche Effekte hat Wetterwissen auf Klimawandelwissen heute? Mit den unterschiedlichen Formen dieses (Alltags-)Wissens hat sich das Institutskolloquium "Wetter/Wissen: Kulturanalytische Perspektiven auf Zustände der Atmosphäre“ im Sommersemester 2022 am Institut für Europäische Ethnologie der Universität Wien beschäftigt. Wir, das Team der „Realfiktion Klima:rechnungshof“, haben die Vorträge mit großem Interesse verfolgt.
Die von Christian Elster und Anna Weichselbraun organisierte Vortragsreihe hat zunächst einmal gezeigt, wie vielfältig die Disziplinen sind, in denen Wetter/Wissen untersucht wird: Die Vortragenden kamen aus den Kultur-, Rechts-, Geschichtswissenschaft, aber auch aus dem Bereich der Performance/Medien-Kunst. So hat die Filmaufzeichnung der Inszenierung „Forecast“ von Ari Benjamin Meyers (Berlin) den katastrophalen Ausgang einer aufgeladenen Wetter-Atmosphäre thematisiert. Die Collage hat eine Lesung aus historischen (außer)alltäglichen Wetterberichten mit der Geschichte des US-Bürgerrechtsanwalts David Buckel, der sich 2018 aus Protest gegen die Ursachen der Klimakrise selbst in Brand setzte, und Livemusik verbunden. Über weniger dramatische, aber dennoch performative Wechselwirkungen zwischen spezifischen Klimawandelstimmungen und Alltag hat die Europäische Ethnologin Oliwia Murawska (Universität Innsbruck) vorgetragen. Anhand von sogenannten autoethnographischen Einstimmungen, zum Beispiel in Schön-Wetter-Gesprächen, untersucht sie Kipppunkte im Klimawandelalltag. Gerade die Aspekte der Inszenierung und Stimmungen sind für die realfiktive Umsetzung des Klima:rechnungshof in Acts von besonderem Interesse.
Besonders relevant für unser Projekt waren die Vorträge von Oliver Geden und Rupert Stuart-Smith. Der Europäische Ethnologe Geden (Stiftung Wissenschaft und Politik, Berlin), der als Experte für Klimapolitik schon an unserer ersten Veranstaltung Klimarechnungshof #1: Making Climate Public teilgenommen hat, argumentiert, dass die Konzentration auf ein CO2-Budget den Diskurs verengt und in der politischen Praxis Unverbindlichkeit unterstützt. Auch der Klima:rechnungshof bezieht sich in seinen Prüfungen auf das globale CO2-Budget bzw. das äquivalente nationale Treibhausgasbudget. Gedens Analyse ist deshalb für die Konzeption unserer Realfiktion wichtig – sie warnt nämlich vor einer Einengung des Klima:rechnungshofs in seinem Selbstverständnis als Prüf- und Kontrollinstanz eines solchen Budgets und ermöglicht uns, auch andere Perspektiven in den Blick zu nehmen.
Stuart-Smith (Oxford University) zeigte hingegen auf, inwiefern Klimawissenschaft und wissenschaftliche Daten in die Rechtsprechung integriert werden können. Für seine Studie betrachtet er zum Beispiel den Fall der Volumenvergrößerung des Palcacocha-Sees in Peru. Grund für den Anstieg des Wasserspiegels ist eine Gletscherschmelze, die sich auf einen durch Treibhausgasemissionen ausgelösten Temperaturanstieg zurückführen lässt. Diese Wassermassen erhöhen das Risiko für Überschwemmungen in der Gegend, welche nicht zuletzt viele Todesopfer fordern könnten.  Mit der Erkenntnis einer anthropogenen Bedingtheit von Klimawandelfolgen (in diesem Fall des Gletscherseeanstiegs) lassen sich laut Studie konkret anzuklagende Akteur*innen, nämlich Treibhausgasemittent*innen, finden und vor Gericht haftbar machen. An diesem Fall war für uns vor allem die vorausgreifende Dimension von Interesse. Denn auch unser Forschungsprojekt setzt an der spekulativen Möglichkeit der Institutionalisierung von wissenschaftlichem Klimawandelwissen in ein vorhandenes institutionelles System an. Stuart-Smith stellt für das Rechtssystem fest, dass dies bei genauer Kenntnis der institutionellen Prinzipien und Strukturen durchaus möglich und erfolgreich ist.
Wenngleich diese beiden Vorträge für den Klima:rechnungshof besonders relevant waren, haben auch andere, thematisch scheinbar weiter entfernte Beiträge für uns wichtige Fragen aufgeworfen. So analysierte die Anthropologin und Folkloristin Dorothy Noyes (Ohio State University) den Diskurs auf Social Media über Extrem-Wetterphänomene in der Agrarlandwirtschaft des Mittleren Westens der USA und der Weingebiete Frankreichs. Dabei stellte sie fest, dass sich der öffentliche Diskurs über die Wetterereignisse und Maßnahmen zur Bekämpfung in den Regionen stark unterscheiden und verband dies mit der These, dass für einen effektiven Umgang mit dem Klimawandel ein „common ground“ über diesen notwendig sei. Die in Frankreich bestehende öffentliche Anerkennung des Klimawandels als etwas wissenschaftlich Bewiesenes und Menschengemachtes bietet durch bürokratische Verfahren der Bearbeitung einen solchen common ground und damit eine – vergleichsweise! – bessere Grundlage für den effektiven und aktiven Umgang mit dieser Krise. Kann ein Klima:rechnungshof einen solchen common ground bilden? Die Diskussion über und das Finden bzw. Experimentieren von neuen Maßnahmen gegen den Klimawandel, wozu auch die Realisierung eines Klima:rechnungshofs zählt, hängt also stark davon ab, in welcher Form Klimawandelwissen in der Öffentlichkeit besprochen wird. #MakingClimatePublic!
Das Programm des Institutskolloquiums findet sich auf der Website des Instituts für Europäische Ethnologie, Interviews mit Vortragenden auf dem Institutsblog.


Prozesse aus dem Hintergrund in den Vordergrund rücken

Eintrag: 26.7.2022, von Niklas Schrade & Rebecca Akimoto

Einleitung
Der letzte Eintrag im Forschungstagebuch liegt nun schon einige Monate zurück. Was ist in der Zwischenzeit geschehen? Die Vorbereitungen zur realfiktiven Gründung und Umsetzung des Klima:rechnungshofs sind in vollem Gange und gleichzeitig nicht so sichtbar wie vorher. Als wir bei einem unserer Jour fixe diese Beobachtung miteinander teilen, fallen die Begriffe des Vorder- und Hintergrundes. Was hat es mit diesen Bereichen auf sich, wie entstehen sie im Zuge unseres (alltäglichen) Schaffens und wie gehen wir damit um?
Im Grunde genommen beziehen sie sich auf die Sichtbarkeit der Arbeit an der Realfiktion Klima:rechnungshof. Der Vordergrund bezeichnet den Bereich, in dem zuvor im Hintergrund Verborgenes sichtbar wird. Im Falle des Klima:rechnungshofs stehen ganz vorne im Vordergrund die Aufführungen, „Acts“, die Ergebnisse und Erkenntnisse unsere Arbeit für eine interessierte Öffentlichkeit außerhalb des PECCK Teams zugänglich machen. Dementsprechend finden im Hintergrund jene Prozesse statt, die zur Vorbereitung und Entstehung dieser Ergebnisse dienen. Diese Struktur von Hinter- und Vordergründen (oder „-bühnen“) besteht aber nicht nur zwischen dem vorbereitenden Team und einem Publikum, sondern aufgrund von parallellaufenden Arbeitsprozessen auch innerhalb der multidisziplinären Arbeitsgruppe. Wenn Wissen aus einem Hinter- in einen Vordergrund verschoben wird, wird das auf diese Weise zugänglich Gemachte gefiltert. Diese Auswahl findet mal mehr mal weniger kontrolliert statt. Es ist also wichtig, die mit diesen machtvollen Prozessen einhergehende Verantwortung mitzudenken und zu reflektieren.
Durch diesen Beitrag sollen vor allem der Hintergrund und damit auch die Forschungs- und Arbeitsprozesse der Realfiktion Klima:rechnungshof für eine Öffentlichkeit außerhalb unseres Teams etwas transparenter gemacht werden. Dafür möchten wir einige Einblicke in die bisherigen Arbeitsweisen des Klima:rechnungshof Projekts bieten und diese gleichzeitig reflektieren.
 
Skills Team
Seit den letzten beiden öffentlichen Veranstaltungen, Klimarechnungshof #1 und #2 führen wir vor allem Forschungs-, Planungs- und Recherchearbeiten durch. Zunächst haben wir uns in einer Vielzahl von Treffen, die sowohl vor Ort im Volkskundemuseum Wien oder im Institut für Europäische Ethnologie als auch online auf Zoom stattgefunden haben, über die Ziele und Umsetzungsmöglichkeiten der Realfiktion Klima:rechnungshof ausgetauscht. Dabei haben alle Teammitglieder mit ihren unterschiedlichen Skills und Expertisen ihre jeweiligen Beiträge zum Prozess der Entstehung des Projekts geleistet. So zeigt sich bereits innerhalb unseres Projektteams eine Unterscheidung. Einzelne Mitglieder*innen verfügen nämlich jeweils über ein spezifisches Hintergrundwissen, welches nur in Teilen allen anderen zugänglich wird. Denn dieses professionelle Wissen beispielsweise in Dramaturgie, Wissensanthropologie oder Kuration, welches die Grundlage beziehungsweise den Hintergrund für ihre Teilnahme am Projekt darstellt, rückt in den Teamsitzungen nur punktuell in den Vordergrund und kann selten in die Tiefe gehend geteilt werden.
 
Projektstruktur (CEWs & Acts)
Prinzipiell steht bereits seit Beginn des Forschungsprojekts fest, dass die Umsetzung auf zwei Ebenen stattfinden soll. Nämlich in nicht-öffentlichen CEW (Creative Experimental Workshops) in einem geschlossenen Kreis von Expert*innen und in öffentlichen Acts vor einem Publikum. In den letzten Monaten wurde an der konkreten Umsetzung dieser CEW und Acts gearbeitet. Die Acts, welche vor den Augen eines Publikums sichtbar gemacht werden sollen, werden durch die wissensanthropologische Forschung begleitet und methodologisch ausgewertet. Diese wissenschaftliche Begleitung findet gleichzeitig im Hintergrund statt und bleibt für die interessierte Öffentlichkeit zunächst unsichtbar.
Für unseren ersten CEW, der Sitzung zur Auswahl von Fallbeispielen, wurden vorbereitend zahlreiche Gespräche mit Expert*innen durchgeführt. An der Auswahlsitzung selbst haben dann Expert*innen aus verschiedenen Bereichen wie der Klimawandelwissenschaft, dem Aktivismus und der Politik teilgenommen. Da wir in unserem Projekt mit audiovisuellen Medien arbeiten, haben wir diese erste Sitzung zur internen Auswertung filmisch dokumentiert. Allgemein ist die Dokumentation der Arbeitsprozesse sehr wichtig, denn nur gesammelte Daten können letztendlich auch analysiert und zugänglich gemacht werden. Während die Auswahlsitzung für das gesamte Projekt des Klima:rechnungshofs eher die Funktion eines Hintergrundgesprächs erfüllte, wurde sie innerhalb des Teams durch die Produktion eines Films bereits zu etwas intern Veröffentlichtem. Für einen weiteren Kreis ist dieses Dokument, das den gesamten Gesprächsverlauf dokumentiert, nicht vorgesehen. Die Ergebnisse der Sitzung, d.h. die Festlegung von drei Fallbeispielen, die vom Klima:rechnungshof geprüft werden sollen, können aber schon jetzt öffentlich werden: nämlich das Auto, das Schnitzel und bis vor kurzem noch die Gas-Heizung. Im Hinblick auf die Frage nach einem Hinter- und einem Vordergrund wurde in der Auswahlsitzung demnach besprochen, welche Themen in den Vordergrund gerückt werden sollen.
 
Arbeitsprozesse (Vorbereitung, Recherche)
Auch mit dem Ablauf unserer Recherchearbeiten lässt sich diese Struktur von Vorder- und Hintergrund gut veranschaulichen. Wir sind kontinuierlich dabei, unser Wissen zu verschiedenen Themen wie zum Beispiel Klimawandel, Auditing oder Fragen der Repräsentation von Klimawandelwissen zu erweitern. Das Wissen, das von einzelnen Personen in der Recherche gesammelt wird, wird zuerst analysiert, ausgewertet und komprimiert, um es für den Klima:rechnungshof nutzbar und öffentlich zu machen. Es durchläuft dabei mehrere Etappen von Vorder- und Hintergründen, bis es, angefangen bei der individuellen Lektüre, am Ende einem hoffentlich großen Publikum präsentiert wird.
Innerhalb des PECCK Teams tauschen wir uns einerseits in den Team-Meetings und per E-Mail aus, um die Ergebnisse der im Hintergrund laufenden Recherchen für das gesamte Team zugänglich zu machen. Andererseits arbeiten wir zudem mit digitalen Plattformen für die interne Veröffentlichung von Dateien, die gemeinsam bearbeitet werden können. Gerade sind wir dabei, auf ein dezidiertes Projekt-Management-System umzusteigen. Neben unserem Team, den teilnehmenden Expert*innen und einem Publikum der Acts, gibt es natürlich noch viele weitere Akteur*innen, die wir mit unserem Projekt erreichen und erreichen möchten. Dabei haben wir uns bereits mehrfach mit wissenschaftlichen Publikationen in einem akademischen Kontext vorgestellt, um entweder an Projekten teilzunehmen oder Förderungen durch öffentliche Gelder zu beantragen, die wiederum Arbeitsprozesse mit Hinter- und Vordergrund ermöglichen. Obwohl diese Beiträge an bestimmten Stellen in den Vordergrund gerückt wurden, sind sie trotzdem nicht oder nur teilweise für die weitere Öffentlichkeit zugänglich.
 
Medien – Öffentlichkeit außerhalb des Teams
Um das Publikum unserer Acts nicht erst im nächsten Jahr mit den Aufführungen vor vollendete Tatsachen zu stellen, soll das, was im Hintergrund passiert, einsehbar gemacht werden. Über unterschiedliche Kanäle wie zum Beispiel dieses öffentliche Forschungstagebuch möchten wir Einblicke in Gedankenprozesse gewähren und Inhalte, wenn auch nur selektiv, veröffentlichen, um diese aus dem Hintergrund in den Vordergrund zu rücken.
 
Aktueller Stand
Die Realfiktion soll jedoch erstmal eine Form annehmen, um überhaupt für eine außenstehende Öffentlichkeit verständlich gemacht werden zu können. Letztlich ist es nun mal Ziel des Projekts, eine öffentliche Institution in spielerischen, dramaturgischen Performances ins Leben zu rufen. Dass in Forschungsprojekten wie auch performative Aufführungen die Trennung von Öffentlichem und „Verborgenem“ inhärent ist, ist selbstredend, betrachten wir nur die Trennung von wissenschaftlicher Forschung und deren Veröffentlichung oder die Trennung von Probe und Vorstellung im Kontext des Theaters.
Aktuell läuft im Hintergrund vor allem die Planung der Acts, die Zusammenstellung einer Kommission aus Expert*innen und die Ausarbeitung einer Website, welche im Herbst lanciert werden soll. Da durch die Mitglieder* der Klimarechnungshof-Kommission Interessen vertreten werden, ist es uns ein besonderes Anliegen, auf die Berücksichtigung diverser Positionen zu achten. Denn hier wird schließlich entschieden, wie die oben genannten Anliegen – Auto, Schnitzel, Gas-Heizung – mit der Prüfung durch den Klima:rechnungshof aus einem Hinter- in den Vordergrund gerückt werden sollen.
 
Schluss
Es zeigt sich, dass unsere Arbeitsweisen von unzähligen Prozessen geprägt sind, die sich zwischen vielschichtigen Hinter- und Vordergründen bewegen. Sobald eine Erkenntnis von einem Hintergrund in einen Vordergrund gerückt wird, kann sie dennoch für einen größeren Vordergrund verborgen bleiben. Bis dieses Projekt nach außen sichtbar und für eine breitere Öffentlichkeit im Vordergrund stattfindet, wird es zunächst durch vielschichtige Prozesse im Hintergrund gestützt, geplant, ausgehandelt und damit gestaltet.
 
Übrigens: Wir haben wir das Projekt auf der Tagung Performanzen & Praktiken. Kollaborative Formate in Wissenschaft und Kunst am Institut für Sächsische Geschichte und Volkskunde der Öffentlichkeit vorgestellt. Zum Programm: www.isgv.de

 

Realfiktion Klimarechnungshof #2: Der angezählte Planet

Eintrag: 15.3.2022

Durchsetzung des Umweltrechts
Der Klimarechnungshof kann die fehlende fachliche Expertise liefern, um das jetzt schon bestehende Vollzugsdefizit im Umweltrecht zu verringern.
 
Mehrdimensionalität
Im co²-Budget als einzelnem Indikator stellt sich die Mehrdimensionalität und Relationalität des Klimawandels und seiner Folge nicht dar. Der Klima:rechnungshof kann sich in seiner Arbeit nicht auf das System Klima beschränken und muss Interdependenzen und Auswirkungen weiterer Systeme mitbeachten. Hierfür müssen qualitative und quantitative Kennzahlen zusammengedacht werden.
 
Verbindlicher Diskurs/Zivilgesellschaftliche Rückbindung
Um die Komplexität im Klimawandelwissen zu verringern, benötigt es eine starke Zusammenarbeit von Politik und Gesellschaft, beispielsweise können Indikatoren unter breiter zivilgesellschaftlicher Teilhabe entwickelt werden. Diese müssen auch Raum für den Diskurs nicht-messbarer Daten bieten.
Dafür benötigt es neue politische Methoden und Formate des verbindlichen Diskurses, welcher eine Rückbindung an die Zivilgesellschaft darstellt.
 
Visualisierung
Eine geeignete Visualisierung reduziert nicht per se die Komplexität, sondern bildet die Mehrdimensionalität verständlich ab und erklärt sie. Soziales, ökologisches und ökonomisches wird in der Abbildung zusammen gedacht. Ziel ist ein Anstoßmoment und die reflexive Politisierung der Zivilgesellschaft. Aus dem Handlungsdruck soll eine positive und kreative Perspektive gebildet werden.


Realfiktion Klimarechnungshof #1: Making Climate Public

Eintrag: 8.3.2022

Indikator CO2-Budget
Das Konzept eines globalen co²-Budget als Indikator für den Klimawandel ist zweischneidig. Ermöglicht es einerseits eine konkrete Berechnung von Zukunftsentwicklungen und entfaltet darüber ein Mobilisierungspotential, kann das Bild des Budgets andererseits die Ernsthaftigkeit der Krise nicht zu Genüge abbilden, es suggeriert, dass Schulden möglich seien, das Budget überziehbar. Die Frage, was nach Überschreiten des globalen Budgets passiert, kann der K:RH nicht klären. Über die Kontrolle des Budgets kann er jedoch die fehlende Ernsthaftigkeit aufbauen.
 
Lücken in der Datenlage
Eine größtmögliche Datenlage ist für die Kontrollfunktion des K:RH imminent. Die Installation des K:RH enthält die Chance Lücken in der Datenlage zu füllen. Für die Erhebung der fehlenden Daten benötigt es aber neue (sozial-)wissenschaftliche Methoden. Aus diesen sollte sich eine Perspektive auf Nationalstaaten entwickeln, die diese nicht als homogene Entität sieht, sondern die interne Unterschiede berücksichtigt.
 
Wer zählt in den Daten und wer erzählt wie den Klimawandel?
Unterschiedliche numerische Regime konstruieren verschiedene Arten von Klima(wandel)wissen. Diese erzeugen unterschiedlichste Erzählungen über den Klimawandel. In der Prüfung des K:RH und im wichtigen Vergleich mit anderen Ländern müssen diese einbezogen werden.
 
Positive Emotionalisierung
Die Bekämpfung der Klimakrise fordert zwei Grundelemente von der neu zu schaffenden Institution Klimarechnungshof: Partizipation und Zeitdruck-Resilienz. Statt der hemmenden Angst sollten motivierende Emotionen hervorgerufen werden, die Momente der positiven Gestaltungsfantasie fördern, neue Lebensstile gemeinsam zu entwickeln.
 
Rolle des K:RH?
Noch zu klärende Fragen zur Struktur des K:RH betreffen die demokratische Legitimation des Budgets (wer bestimmt die Zahl?), der Kontrollrichtung (wer kontrolliert wen?) und das Verhältnis und Vergleich von nationalem Treibhausgasbudget und globalem co²-Budget. In letzterem könnte eine zentrale Rolle des K:RH liegen.
Schreibworkshop
Realfiktion Klimarechnungshof: Wir beschreiben eine zukünftige Institution!
Fr, 3.2.2023, 9.00 bis 16.00 Uhr
In diesem Climate fiction Schreibworkshop entwerfen wir gemeinsam den Klimarechnungshof als Institution, die für den demokratischen Klimaschutz einen entscheidenden Unterschied setzt.
Im Rahmen der Ausstellung Von Zwentendorf zu CO2 und Realfiktion Klimarechnungshof


Workshop
Fr, 3.3.2023, 11.00 bis 18.00 Uhr
Gemeinsam mit Aktivist*innen, Wissenschaftler*innen, Vereinen und Verwaltungsbeamt*innen beschließen wir, welche Maßnahmen, Gesetze und Verordnungen der Klimarechnungshof in den Bereichen Mobilität, Ernährung und Energie realfiktiv prüfen kann.
Verkehr, Landwirtschaft und Energie sind gesellschaftliche Bereiche, die möglichst bald effizient gesteuert werden müssen, damit Österreich international verbindliche Klimaziele erreichen kann. Die realfiktive Kampagne „Klimarechnungshof jetzt! Klimaschutz braucht Kontrolle“ fordert eine wirksame staatliche Kontrolle dieser und weiterer Sektoren und ihrer klimaschädlichen Treibhausgasemissionen. Im Workshop “Wir erheben, was wie geprüft werden kann!” erarbeiten wir gemeinsam mit unterschiedlichen Expert:innen aus den Bereichen Klimaschutz und Klimaprüfung, welche Prüfgegenstände im Rahmen der Realfiktion Klimarechnungshof kontrolliert werden können. Mit welchen Methoden arbeitet ein Rechnungshof? Welche Daten benötigt eine Prüfung? Welche Klimaprüfungen können mögliche rasche Maßnahmen für eine effiziente Reduktion von Treibhausgasemissionen aufzeigen? Die Ergebnisse des Workshops fließen direkt in die folgenden theatralen Inszenierungen des Klimarechnungshofs am Volkskundemuseum Wien ein. 
Mit Inputs von Günther Lichtblau, Klimaexperte im Umweltbundesamt
Im Rahmen der Ausstellung Von Zwentendorf zu CO2 und Realfiktion Klimarechnungshof


Realfiktion Klimarechnungshof
Auswahlsitzung für Prüffälle
Mo, 28.3.2022, 12.00 Uhr
 
Der Klimarechnungshof prüft anhand eingereichter konkreter Prüffälle die erwarteten Folgen und realen Auswirkungen klimapolitischer Handlungen. Für eine Auswahl solcher Fälle trifft sich eine Kommission aus klimawissenschaftlichen Expert*innen, Klimaaktivismus und Politik.
 
Teilnehmer*innen:
Kommission
Anna Echterhölter, Institut für Geschichte, Universität Wien
Serafin Groebner, Abteilung V/9 Nachhaltige Entwicklung und Bewusstseinsbildung, BMK
Miriam Hofer, Institut für Öffentliches Recht, Climate Change Graz, Universität Graz
Daniel Huppmann, Energy, Climate, and Environment Program, IIASA
Thomas Lindenthal, Zentrum für Globalen Wandel und Nachhaltigkeit, BOKU
Katharina Rogenhofer, Klimavolksbegehren
 
Milena Bister, Projektmitarbeiterin Postdoc
Alexa Färber, Projektleiterin und Projektinitiatorin
 
 
Open Call 2021
Gemeinsam mit dem Open Air Kurzfilmfestival dotdotdot laden wir ein, künstlerische Konzepte einzureichen, die sich der audio-visuellen Untersuchung von Klimawandelwissen widmen und zum Forschungsnetzwerk Realfiktion Klimarechnungshof beitragen. Dafür wird zunächst 1 künstlerisches Fellowship in Höhe von 7.500 € vergeben.
Einreichungen bis 1.12.2021 möglich.
Details: pdf zum Download
 
 
Realfiktion Klimarechnungshof #2
Der angezählte Planet
So, 19.9.2021, 14.00 Uhr
Live-Mitschnitt auf YouTube

Ein Nachmittag der Gesprächsdiplomatie zwischen Umweltindikatoren, Gesetzen und Klimawandelwissen: Welche Kennzahlen bezogenen Grundlagen müssen für einen Klimarechnungshof geschaffen werden? Wie lassen sich klimabezogene Kennzahlen in eine rechtliche Form gießen? Und wie können diese verrechtlichten Zahlen politisch durchgesetzt werden? Die Gesprächspartner*innen werfen Fragen nach den Bedingungen und Folgen der Entwicklung von Klimaindizes wie dem 1,5°-Ziel auf und zeichnen die Hürden und Chancen nach, die deren Weg bis zur Gesetzeswerdung aufwirft.
 
 
Realfiktion Klimarechnungshof #1
Making Climate Public
Sa, 8.5.2021, 20.00 Uhr
Live-Mitschnitt auf YouTube
 
Zum Auftakt der Reihe Realfiktion Klimarechnungshof treffen sich Vertreter*innen aus klimapolitischen Initiativen, der Klimawissenschaft, kulturwissenschaftlichen Wissensforschung und wissenschaftlicher Politikberatung und tauschen sich in öffentlichen Kamingesprächen über Form, Inhalt und Verfahren eines Klimarechnungshofs aus. Was soll ein Klimarechnungshof können? Wer berechnet ein nationales CO2-Budget und wie? Wie gerecht kann ein CO2-Budget sein? Und was passiert, wenn es überschritten wird? Folgen aus Kontrolle auch Konsequenzen?


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T: +43 1 406 89 05
F: +43 1 406 89 05.88
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Di bis So, 10.00 bis 17.00 Uhr
Do, 10.00 bis 20.00 Uhr
Bibliothek:
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Di bis So, 10.00 bis 17.00 Uhr
Do, 10.00 bis 20.00 Uhr

Hildebrandt Café:
Di bis So, 10.00 bis 18.00 Uhr
Mostothek:
Di, ab 17.00 Uhr

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