Zwischenjahr 2020

Wie wollen wir denken und arbeiten?

2020 haben wir uns im Volkskundemuseum Wien Zeit genommen zum Diskutieren über das Sammeln und Sammlungen im 21. Jahrhundert, über ein Museum der Zukunft und zum Ausprobieren neuer Formate.
Museen sind als Agenturen des Wissens gleichzeitig kreative und soziale Orte. Ihre Möglichkeiten der Erzählung, Interaktion und Produktion in der Gegenwart des realen Raumes sind vielfältig und gleichsam Aufgabe in einer zunehmend virtuell geprägten Welt. Das Materielle an sich und die Auseinanderset­zung damit ist ein Asset dieser Agenturen. Als Orte müssen sie spürbar, nachvollzieh­bar, einladend und herausfordernd sein. Es beginnt im Inneren der Institution: die Kultur der Zusammenarbeit, das Verständnis über den Sinn der jeweiligen Aufgabe vor allem in Hinblick auf den Nutzen für die Öffentlichkeit.

Gleichzeitig geht es in der Trias von Politik, Gesellschaft und Museum um Bewusstseinsbildung hinsichtlich grund­legender Arbeiten in Museen. Dazu zählen die qualitative Erschließung und die sinn­volle Erweiterung von Sammlungen genauso wie gut aufgesetzte Digitalisierungsprojekte oder der konsequente Betrieb eines Archivs. All das sind Bereiche, die beim Kulturkonsum und in Folge bei der Kultur­förderung leicht übersehen werden, denn sie sind nicht vordergründig quantifizierbar und brauchen viele Ressourcen.

Beziehungsarbeit leisten

Als Museum leisten wir Beziehungsarbeit, denn wir vermitteln zwischen Sammlungen und deren EigentümerInnen, der Gesell­schaft. Als KulturarbeiterInnen in Museen haben wir alle eine BotschafterInnenfunk­tion. Wir müssen unseren Umgang mit dem kulturellen Erbe über die Gesellschaft in die Politik kommunizieren. Wir müssen also im Inneren verstehen, welche Verantwor­tung bzw. welchen Anteil wir hinsichtlich einer gesellschaftlichen Entwicklung haben. Entsprechend macht es Sinn, die Institution hinsichtlich Haltung, Arbeitskultur und Ziel­setzung kontinuierlich weiterzuentwickeln. Wie wollen wir denken und arbeiten?

Neben der Entwicklung und Durchführung verschiedener Projekte in den Sammlungen war das Zwischenjahr 2020 als Basis und Orientierung für die großen und kleineren, pragmatischen wie visionären Arbeiten zur zukünftigen Ausrichtung und Organisation des Volkskundemuseums vorgesehen. 2019 war mit dem Projekt VKMW21 der hausinterne Nachdenk- und Planungspro­zess eingeleitet worden, der sich durch die namentliche Erwähnung des Museums im Programm der türkis-grünen Regierung Anfang 2020 rasant beschleunigte und veränderte.

Was haben wir 2020 gemacht?

Unser Alltag sowie unsere Projekte wurden während des Zwischenjahres quartalsweise von moderierten Teammeetings begleitet, in denen sich viele Fragen zu Arbeitskultur und Organisation auftaten. Es gab Momente der Katharsis und die Erkenntnis, dass der Möglichkeits­raum auch Herausforderungen mit sich bringt – dann nämlich, wenn gewohnte Strukturen verschwimmen. Aber genau die Gewohnheit ist die Problematik der Institu­tion an sich. Dabei kam uns 2020 zweierlei zu Hilfe: Die Pandemie und der Umstand, dass im Zwischenjahr keine Sonderausstellun­gen geplant waren. Das soll nicht zynisch klingen; aber von gewohntem Arbeiten ließ sich ab März gar nicht mehr sprechen. #wirsindüberall wurde im Homeoffice zur Realität, der "Alltag" wäre nun besser durch den Begriff "Gegenwart" zu ersetzen, da sich Strukturen und Inhalte neu konfigurie­ren müssen. Das "Zwischenjahr" wird weiter wirken.

Wir arbeiten an einem Museum als multimediale Plattform

In den letzten Jahren hat sich das Volkskundemuseum Wien als ein in viele Richtungen offenes Haus positioniert. Diese Schritte werden wir weitergehen: Das Museum ist ein zugänglicher Wissens- und Gestaltungsort in Wien, der zur Nutzung einlädt. Wir erproben neue kuratorische Erzählungen und Präsentationen und arbei­ten mit künstlerischen, handwerklichen, wissenschaftlichen und aktivistischen Grup­pen, Institutionen und Personen zusammen.

Ziel ist es, das Volkskundemuseum Wien zu einem neuartigen Gesellschafts- und Kulturmuseum des 21. Jahrhunderts mit starkem Gegenwartsbezug weiterzu­entwickeln. Im Sinne eines relationalen Museums sollen nicht nur Gegenwart und Geschichte in Beziehung und Verhältnis gesetzt, sondern auch mensch­liche, nichtmenschliche, ökologische, infrastrukturelle, technologische, ideelle und ideologische Relationen transdisziplinär und Community-basiert erforscht und vermittelt werden. Wir denken weiterhin Museum.

WIR DENKEN MUSEUM
Zum Auftakt des Zwischenjahrs 2020

#wirfragen
Wir haben in unserem Zwischenjahr viele Fragen an uns gestellt. Und wir haben Fragen zur Gegenwart, zu Gesellschaft, Kultur und Alltag gesammelt.
#wirfragen auf Instagram

Geschichten und Berichte
Im Nachrichtenblatt des Volkskundemuseum Wien geben wir Einblicke in unsere Denk- und Arbeitsprozesse: im Zwischenjahr und darüber hinaus.
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Zu den Sammlungen
Volkskundemuseum Wien
Laudongasse 15–19, 1080 Wien

T: +43 1 406 89 05
F: +43 1 408 53 42
E: office@volkskundemuseum.at
W: www.volkskundemuseum.at

// COVID-19: Info zum Museumsbetrieb //

Öffnungszeiten
Museum:
Di bis So, 10.00 bis 17.00 Uhr
Do, 10.00 bis 20.00 Uhr
Bibliothek:
Nach Voranmeldung

Hildebrandt Café:
Di bis So, 10.00 bis 18.00 Uhr
Do, 10.00 bis 20.00 Uhr

Mostothek:
Di, ab 17.00 Uhr


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