Eröffnung: Di, 9.10.2018, 19.00 Uhr

„Alle antreten! Es wird geknipst!“

Private Fotografie in Österreich 1930-1950

Mi, 10.10.2018 – So, 17.02.2019
: Anonym: "Alle antreten! Es wird geknipst!", Österreich, Foto ca. 1940, Albumseite ca. 1955. (Archiv Tietjen)
Baden im See und im Meer. Die große Hochzeit. Und der Spaziergang am Wochenende mit Picknick in der Wiese. Wer durch die Familienalben der Jahre zwischen 1930 und 1950 blättert, findet darin eine Welt, die von den politischen Brüchen, Konflikten und Katastrophen dieser zwei Dekaden kaum berührt zu sein scheint. Doch fraglos hatten diese Ereignisse Konsequenzen noch bis in den privatesten Bereich hinein. Was also zeigen uns diese Bilder?
Wer in Familienalben aus den zwei Dekaden zwischen 1930 und 1950 blättert, wird Biografien finden, aber kaum Geschichte. Die Fotografien erwecken den Eindruck, dass das Leben der meisten Familien in diesen Dekaden ein ewiges Wochenende war – keine Spur vom kalten Staatsstreich des Austrofaschismus, von Februaraufstand und Juliputsch, von Anschluss, Arisierungen und Deportationen. Sogar der Zweite Weltkrieg taucht oft nur mittelbar auf, wenn die Männer im Heimaturlaub in Uniform posieren und unter dem Bild zuweilen steht: Vermisst. Gefangen. Gefallen.

Wie und warum kommen solche Bilder und solche Erzählungen zustande? Welche Funktionen hatten diese Fotografien für die Fotograf*innen? Und was machen wir und die nächsten Generationen mit diesen Bildern und ihren Erzählungen, wenn bald jene fehlen werden, für die sie Leben und Gegenwart bedeuteten?

Diesen Fragen widmet sich seit Herbst 2016 das Projekt Biografie und Geschichte. Private Fotografie in Österreich zwischen 1930 und 1950. Im Zentrum steht die private Fotografie als Medium der familiären, sozialen Erinnerungsbildung. Das Projekt begreift sich dabei nicht als reines Forschungsprojekt, sondern als gesellschaftlich engagierte Wissenschaft, das Gespräch und Reflexion anstoßen will, wie mit diesen Materialien auf wissenschaftlicher, privater und breiter öffentlicher Ebene umgegangen werden kann.

Erste Ergebnisse des Projektes werden von Oktober 2018 bis Februar 2019 im Volkskundemuseum Wien vorgestellt. Dabei werden Teile der bis dahin zusammen getragenen Bilder und Alben in verschiedenen Konstellationen verwendet, um Praktiken der privaten Fotografie zu zeigen. Gleichzeitig wird die Ausstellung als Ort der Erschließung und Forschung nutzbar sein.

Eröffnung: Di, 9.10.2018, 19.00 Uhr

Kuratoren:
Mag. Herbert Justnik, Leiter Fotosammlung Volkskundemuseum Wien
Dr. Friedrich Tietjen, Fotohistoriker

Für spezielle Fragen oder wenn Sie mit uns über Ihre Fotografien aus 1930-1950 sprechen wollen:
fotosammlung@volkskundemuseum.at
oder +43 (0) 677 625 354 00

Ausschreibung: Fellowship von kültüř gemma!
Bewerbung bis 9. August
Weitere Informationen hier

BEGLEITPROGRAMM

Ausstellungsrundgang und Gespräch
Do, 8.11., 6.12.2018, 7.2.2019
jeweils 18.00 Uhr
Die Ausstellungsmacher*innen geben Einblicke in das Ausstellungs- und Forschungsprojekt.
Kosten: Eintritt + € 4,-

Reden wir über Ihre Bilder!
Do, 18.10., 29.11.2018, 24.1., 14.2.2019
jeweils 18.00 Uhr
Der Fokus des Projektes ist der Zeitraum zwischen 1930 und 1950, doch interessieren uns auch Praktiken der privaten Fotografie über diesen Zeitraum hinaus. Wir laden Sie ein, private Fotografien jeglicher Art mitzubringen, ob es die Selfies in Ihrem Smartphone oder Bilder Ihrer Ahnen sind – wir wollen mit Ihnen darüber nachdenken, was diese Bilder bedeuten und wie Sie mit ihnen als Medien der privaten Geschichte umgehen. Dieses Gesprächsformat möchte als kollaborative, kollektive Wissensproduktion den Methoden auf die Spur kommen, mit denen wir unsere eigene, individuelle Geschichte und Biografie schreiben.
Eintritt frei

Home Movie Day
Bringen Sie Ihre Filme!
Sa, 13.10.2018, ab 14.00 Uhr
Das Österreichische Filmmuseum führt eine Veranstaltung zum internationalen Home Movie Day im Rahmen der Ausstellung im Volkskundemuseum Wien durch. Mitarbeiter*innen des Filmmuseums sprechen über das Sammeln, Identifizieren und Wiederaufführen von Amateurfilmen und präsentieren gemeinsam mit Historiker*innen des Ludwig Boltzmann Instituts für Geschichte und Gesellschaft und Gästen (Sammler*innen, Filmemacher*innen und Künstler*innen, Kurator*innen) Privatfilme, zum Teil in analoger Projektion. Besucher*innen haben die Gelegenheit, Filmmaterial mitzubringen, um es im Filmmuseum befunden zu lassen.
www.filmmuseum.at
Eintritt frei

KULTURVERMITTLUNG

Sonntagsführung
So, 14.10., 28.10., 18.11., 2.12., 23.12.2018, 6.1., 20.1., 3.2., 17.2.2019
jeweils 15.00 Uhr
Kosten: Eintritt + € 4,-

Workshop
Sprechen über Fotos und Geschichte(n)
Ab 12 Jahren
Wie werden die ereignisreichen Jahre zwischen 1930 und 1950 dargestellt? Warum sieht man so wenig von Krieg und Verfolgung und so viel von friedlichem, schönem Leben?
Wir sehen uns im Workshop private Fotografien und Alben an, analysieren historische sowie gegenwärtige Zusammenhänge und stellen Fragen an das Material. Methodisches Ziel ist es, Einblicke in die Fotogeschichte zu bekommen und über die Zeit des Austrofaschismus und des Nationalsozialismus zu sprechen. Es geht um das Bewusstsein, dass auch das eigene Fotografieren Geschichte produziert und zur Reflexion der eigenen Geschichte genutzt werden kann.
Anmeldung erforderlich
Dauer: 90 Min
Kosten: € 4,50 pro Person

Informationsveranstaltung für Pädagog*innen
Do, 11.10.2018, 16.30 Uhr
Anmeldung erforderlich
Eintritt frei

Anmeldung und Information
kulturvermittlung@volkskundemuseum.at
oder +43 (0) 1 406 89 05.26
Volkskundemuseum Wien
Laudongasse 15–19, 1080 Wien

T: +43 1 406 89 05
F: +43 1 408 53 42
E: office@volkskundemuseum.at
W: www.volkskundemuseum.at

Öffnungszeiten
Museum: Di bis So, 10.00 bis 17.00 Uhr
Do, 10.00 bis 20.00 Uhr
Bibliothek: Di bis Fr, 9.00 bis 12.00 Uhr
Juli und August geschlossen
Café: Di bis So, 10.00 bis 17.00 Uhr
Mai bis August bei Schönwetter bis Sonnenuntergang
Mostothek: Di, ab 17.00 Uhr
August geschlossen

Sonderöffnungszeiten, Schließzeiten,
BesucherInneninformation und Preise


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