Start: Februar 2020

Performing Primal Communism

(Re)writing of Reality Through Discourse

Performing Primal Communism (PPC) arbeitet künstlerisch forschend an der Aufarbeitung der von Otto Mühl gegründeten und von den Kommunard*innen aufgelösten Aktionsanalytischen Organisation, AAO-Kommune.
Performing Primal Communism (PPC) arbeitet an einer künstlerisch forschenden Perspektive auf die vom Wiener Aktionismus Künstler Otto Mühl 1972 gegründete und von den Kommunard*innen 1990 aufgelöste Aktionsanalytische Organisation, die AAO-Kommune. Die Kommune widmete sich zunächst der Bewusstmachung von Habitualisierungen durch Herrschaft in der alltäglichen soziokulturellen Lebenspraxis und der Befreiung von Menschen aus dem Wirkungsfeld mächtiger sozialer Institutionen. Ihr erklärtes Ziel war es, autoritäre Institutionen wie Staat, Kirche, bürgerliche Familie, Kapitalismus und Patriarchat mit Hilfe von Wissenschaft, Kunst und befreiter Sexualität zu überwinden. Das soziale Experiment endete in einem hochgradig autoritären System innerhalb einer kontrollierten Gemeinschaft. Mühl wurde wegen mehrfachen sexuellen Missbrauchs zu sieben Jahren Gefängnis verurteilt.

Gemeinsam mit Zeitzeug*innen strebt das Projekt PPC nach einer Neubesichtigung und Aufarbeitung der Kommune und ihrer Auswirkungen durch „Forschung in und durch die Künste“, indem es einen durch Künstler*innen, Zeitzeug*innen und Wissenschaftler*innen kollaborativ gestalteten Forschungsraum als Reservoir für die gemeinsame Erforschung individueller und kollektiver Geschichtsaspekte der AAO aufbaut: (Re)writing of Reality Through Discourse.

Projektleitung: Paul-Julien Robert (Institut für bildende Kunst | IBK)
Projektteam: Thomas Marschall, Elisabeth Schäfer, Ida Clay
Kooperationspartner: Volkskundemuseum Wien
PPC ist FWF PEEK-Projekt [AR568].
Projektlaufzeit: 2020–2023
Year 1 Revisiting the Past
Year 2 Reenacting the Presence
Year 3 Re/Writing the Future


Veranstaltungen und Formate

Symposion (geladene Gäste)
Wie leben mit der Kommune?
Do, 27.8.2020, 18.00 Uhr
Das Symposion versteht sich als Startpunkt einer dreijährigen Veranstaltungsreihe. Der Symposiums-Abend wendet sich an geladene Gäste und präsentiert sich ganz in der Tradition des griechischen Gastmahls als sinnliche, ja gerade das Sinnliche reflektierende Zusammenkunft verschiedener Akteur*innen mit diversen Meinungen, die ihre Stimme erheben und in ihren Reden Perspektiven auf die Frage eröffnen: Wie leben mit der Kommune? 
Zu Wort kommen ehemalige Kommunard*innen und deren mittlerweile erwachsene Kindergenerationen, die im Rahmen des Symposions in kritischen Dialog und respektvolle Debatte mit Künstler*innen, Philosoph*innen, Wissenschaftler*innen, Ausstellungsmacher*innen, und Journalist*innen treten.
Die moderierten Teilbereiche werden sich rund um diverse, kontroverse und konfliktbeladene Aspekte der Kommune und ihrer Auswirkungen fächern. Jeder Programmpunkt beinhaltet die Möglichkeit zur Diskussion und Teilhabe.
Der von Platons Symposion inspirierte Abend gestaltet sich innerhalb einer partizipativen Installation, welche die Etiketten des kommunalen Gemeinschaftsmahls und Traditionen religiöser Speiseriten künstlerisch transformiert.
Die Auftaktveranstaltung wird Auskunft geben über und Aussicht erlauben auf Programme, Workshops und Thematiken, die durch das Projekt PPC in den nächsten drei Jahren künstlerisch erforscht werden und die Gäste des Symposions dazu einladen, diese aktiv mitzugestalten.

Filmscreening (öffentlich)
Meine keine Familie
Do, 1.10.2020, 19.00 Uhr
Gemeinschaftseigentum, freie Sexualität, Auflösung der Kleinfamilie, das waren die Grundprinzipien des Friedrichshofs, der größten Kommune in Europa, die vom Wiener Aktionisten Otto Mühl Anfang der 70er Jahre gegründet wurde. In seinem Dokumentarfilmdebüt Meine Keine Familie begibt sich Regisseur Paul-Julien Robert, der in diese Kommune hineingeboren wurde, auf eine persönliche Reise in die eigene Vergangenheit. Ausgehend von Archivmaterial, das im Film erstmalig öffentlich gezeigt wird, konfrontiert der Regisseur sich selbst und seine Mutter mit der Frage: Was ist Familie?
Keine Anmeldung erforderlich

Workshop 1 (öffentlich)
AAO-Kommune: Kommen — Bleiben — Gehen.
Befreiung durch: Kunst – Sexualität – Therapie?

Do, 15.10.2020, 17.00 bis 21.00 Uhr
Fr, 16.10.2020, 17.00 bis 21.00 Uhr
Sa, 17.10.2020, 14.00 bis 18.00 Uhr
An drei Tagen begegnen ehemalige Kommunard*innen und Expert*innen in einem performativen Raumsetting einander und diskutieren den Wunsch nach Befreiung durch Kunst (Tag 1), durch Sexualität (Tag 2) und durch „Therapie“ (Tag 3), wie sie sowohl im Kontext der Kommune als auch im zeitgeschichtlichen Momentum der 60er und 70er Jahre visioniert und sich dann in der Praxis gezeigt haben – in all ihrem Scheitern.
Nach  dialogischer Annäherung an das Tagesthema durch ehemalige Kommunard*innen und Expert*innen öffnet sich jeder Thementag des Workshops zu einem World Café, dass den Teilnehmer*innen Raum gibt, sich an der Reflexion aktiv zu beteiligen. Fragestellungen sind: Was waren die Gründe in die Kommune zu kommen, welche Gründe gab es zu bleiben, welche wieder zu gehen? Und wie hängen diese jeweiligen Beweggründe mit dem Wunsch nach Befreiung zusammen?
Teilnahme auch an einzelnen Tagen möglich
Anmeldung erforderlich

Workshop 2 (nicht-öffentlich)
Aufbau-Workshop: Module
Do, 1.10. bis Mo, 12.10.2020
So, 18.10. bis Mi, 21.10.2020
Hands-on Workshop zum Bau der modularen Forschungsarchitektur, die die charakteristischen Elemente der Kommunenbauweise kritisch reflektiert und für die Sammlung der Kommunen-Artefakte genutzt wird, die das Projekt PPC anstrebt. Im Rahmen dieses partizipativen Workshops wird eine kollektive Timeline zur Geschichte der Kommune sowie ein sozialanthropologisch inspiriertes Genogramm erstellt.

Workshop 3 (öffentlich)
Überschreibung der Narrative
Do, 19.11.2020, 17.00 bis 21.00 Uhr
Fr, 20.11.2020, 14.00 bis 18.00 Uhr
In der Kommune haben sich Menschen getroffen, die aus verschiedenen Richtungen kommend an der Überschreibung der Narrative ihrer Vergangenheit interessiert waren, u.a. trafen Kinder aus Nazi-Familien auf Kinder aus jüdischen Familien. Im Mittelpunkt des Workshops steht die Frage: Welche Interferenzmuster dieser unterschiedlich motivierten Überschreibungstendenzen von autobiographischen und soziokulturellen Narrativen zeigen sich uns heute? Der Workshop startet mit einer Performance am ersten Abend und setzt mit einer Reflexion am zweiten Tag fort.
Teilnahme auch an einzelnen Tagen möglich
Anmeldung erforderlich

Teilnahme kostenlos an allen Veranstaltungen
Information: E.Schaefer@akbild.ac.at
Anmeldung: www.volkskundemuseum.at/termine


CALL FOR PARTICIPATION
PPC möchte ein Archiv der Dinge und ihrer Geschichten aus der AAO-Kommune aufbauen. Schenkungen und Leihgaben für eine Sammlungsinstallation sind sehr willkommen.
Bitte Dinge, Gegenstände und die dazugehörigen Geschichten zu den Veranstaltungen mitbringen, sie werden entgegengenommen und inventarisiert.
Kontakt: marschalltom@posteo.de

     
Volkskundemuseum Wien
Laudongasse 15–19, 1080 Wien

T: +43 1 406 89 05
F: +43 1 408 53 42
E: office@volkskundemuseum.at
W: www.volkskundemuseum.at

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Öffnungszeiten

Museum:
Di bis So, 10.00 bis 17.00 Uhr
ab September Do, 10.00 bis 20.00 Uhr
Bibliothek:
Nach Voranmeldung

Hildebrandt Café:
Di und So, 10.00 bis 18.00 Uhr
Mi bis Sa, 10.00 bis 23.00 Uhr

Mostothek:
Di, ab 17.00 Uhr
August geschlossen


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