Coronabedingt auf 2022 verschoben

Fiktion Galizien

Zur visuellen Entwicklung einer Landschaft

Fr, 16.09.2022 – So, 26.02.2023
Fiktion Galizien beschäftigt sich mit Fotografie in Galizien und der Bukowina am Ende des langen 19. Jahrhunderts. Dabei handelt es sich um Volkstypenaufnahmen und landeskundliche Ansichten von Landschaften, Kirchen und auch von industriellen Projekten, die von kommerziellen Fotografen und Wissenschaftlern aufgenommen wurden. Unser Interesse gilt der Wirkungsweise dieser Fotografien am Ende der Habsburgermonarchie.
Zwei Schwerpunkte markieren die Erzählung dieser Ausstellung. Ein Aspekt ist der Einsatz der Fotografie bei der ökonomischen und infrastrukturellen Entwicklung Galiziens ab der zweiten Hälfte des 19. Jahrhunderts. Eine zweite Perspektive gilt der Rolle der Fotografie in der Entwicklung der Volkskunde als wissenschaftlicher Disziplin in der Habsburgermonarchie. Ausgehend von Wien stellten die dort zusammenlaufenden wissenschaftlichen Netzwerke Galizien und die Bukowina sowie das Bildmaterial von ebendort von Beginn an in den Vordergrund ihrer Forschung. Dies lässt sich an der besonderen Präsenz dieser Fotografien innerhalb der ersten Inventarnummern der Fotosammlung des Volkskundemuseums ablesen – die zahlreichen Fotografien dieser Sammlung machen den Großteil des ausgestellten Materials aus.

Ausgangspunkt sind die Bilder von Julius Dutkiewicz, einem in Galizien (Kolomea u. a.) situierten Fotografen, dessen Werke über weite Strecken den deutschsprachigen volks- und landeskundlichen Diskurs illustrierten. Neben Dutkiewicz fotografierten Wissenschaftler aus Wien, die in Galizien und der Bukowina unterwegs waren, ebenso wie ortsansässige Ethnographen und andere kommerzielle Fotografen diese Gegenden. Sie alle tragen zur bildlichen Vorstellung von Galizien mit unterschiedlichen Perspektiven bei. Mit Fiktion Galizien beziehen wir uns auf die zwei Kronländer Bukowina und Galizien. Im mythisch konnotierten Begriff Galizien ist bis heute auch die Bukowina mitgemeint.

Wir beschäftigen uns vor allem mit der Zirkulation und Verbreitung der Bilder, da sie deren Wirkungsräume deutlich nachzeichnen. Das Interesse gilt am Beispiel Galiziens und der Bukowina der Verknüpfung von Infrastruktur, Ökonomie, Volkskunde, Politik und Fotografie – dem „Regieren im Bildraum“ (Tom Holert). Das Modell der „Indigenisierung“ soll die politischen Interessen von unterschiedlichen AkteurInnen in der Region sowie in Wien aufzeigen. Denn sie alle nutzten die Propagierung bestimmter Vorstellungen zu autochthonen BewohnerInnen: Die Bilder kamen solch unterschiedlichen Interessen entgegen wie der Zivilisierungsmission von Seiten der Habsburgermonarchie, den Polonisierungsbestrebungen der polnischen Oberschicht, und den ukrainischen Nationalismen. Um diese divergierenden Prozesse darstellen zu können, zeigen wir in der Ausstellung nicht nur fotografische Abzüge. Wir verwenden alle möglichen Erscheinungsweisen von Fotografie, vor allem auch in Medienverbünden – seien es Bücher, Leporellos oder Zeitungen – sowie (hand)schriftliche Dokumente und Akten – vor allem aus dem deutschsprachigen Diskurs.

Mit dem Bewusstsein, dass wir – als in Wien ansässige Forscher – keine neutrale Position haben, arbeiten wir weitgehend mit postkolonialen Forschungszugängen. Die Verhältnisse, die sich in diesen Bildern ausdrücken, zeigen Elemente asymmetrischer Herrschaft, die es offenzulegen gilt. Wir ergänzen die Untersuchung durch lokale Perspektiven und einen exemplarischen Blick auf die Konstruktion des Diskurses um die sogenannten Huzulen – einer besonders exotisierten Bevölkerungsgruppe – und arbeiten beim Begleitprogramm der Ausstellung mit ForscherInnen aus der Ukraine zusammen.


Die Ausstellung ist eine Kooperation zwischen dem Volkskundemuseum Wien und dem Photoinstitut Bonartes, Wien.
Kuratierung: Herbert Justnik (Volkskundemuseum Wien), Martin Keckeis (Photoinstitut Bonartes)

// Coronabedingt von Frühling 2021 auf Herbst 2022 verschoben //


BEGLEITPROGRAMM (auf 2022 verschoben)

Ausstellungseröffnung
Do, 11.3.2021, 19.00 Uhr


VERMITTLUNGSPROGRAMM (auf 2022 verschoben)

Sonntagsführung
So, 14.3.2021, 15.00 Uhr
So, 28.3.2021, 15.00 Uhr

Für Gruppen und Schulklassen

Workshop
Was tun Bilder mit uns?
Konstruktion und Deutungsmacht damals und heute

Ab 15 Jahren
Hast du schon einmal von Galizien und der Bukowina gehört? In dem Workshop erfährst du, wo diese Gebiete heute liegen und warum sie für die damals noch junge Wissenschaft der Volkskunde in der Habsburgermonarchie so wichtig waren. Welche Klischees und Stereotypen wurden über die Landschaft und über die Menschen, die dort lebten, durch Fotografien konstruiert und transportiert? In Kleingruppen erarbeitet ihr diverse Perspektiven auf die Zusammenhänge von Politik, Ökonomie und Wissenschaft und könnt selbst ausprobieren, wie wirkmächtig Medien waren und sind. Weiters widmen wir uns den Betrachtungsweisen, die bis in die Gegenwart hineinwirken, und beschäftigen uns mit Themen wie Rassismus und Dekolonialisierung.
Dauer: 90 Min
Kosten: € 4,50 pro Person
 
Auch als Online Workshop
Via Zoom werden die Inhalte des Workshops vermittelt und virtuelle Einblicke in die Räumlichkeiten der Ausstellung gegeben.
Dauer: 90 Minuten
Kosten: € 90 Pauschale für eine Schulklasse

Anmeldung für Gruppen
www.volkskundemuseum.at/anmeldung
Information
www.volkskundemuseum.at/vermittlung
kulturvermittlung@volkskundemuseum.at
+43 (0) 1 406 89 05.26



Volkskundemuseum Wien
Laudongasse 15–19, 1080 Wien
T: +43 1 406 89 05
F: +43 1 408 53 42
E: office@volkskundemuseum.at
W: www.volkskundemuseum.at

Öffnungszeiten
Museum:
Di bis So, 10.00 bis 17.00 Uhr
Do, 10.00 bis 20.00 Uhr
Bibliothek:
Nach Voranmeldung
SchönDing Shop:
Di bis So, 10.00 bis 17.00 Uhr
Do, 10.00 bis 20.00 Uhr

Hildebrandt Café:
Di und So, 10.00 bis 18.00 Uhr
Mi bis Sa, 10.00 bis 23.00 Uhr

Mostothek:
Di, ab 17.00 Uhr


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