Eröffnung

Arbeiten ruthenischer Flüchtlinge im Ersten Weltkrieg:

Stick- und Knüpfmusterstücke

Di, 29.04.2014, 18:00
Die Ausstellung zeigt ein Konvolut von rund 500 kleinen bestickten und teilweise mit Glasperlen geknüpften Textilmusterstücken ruthenischer Frauen.
Pressegespräch: 29. April, 11 Uhr
Eröffnung. 29. April, 18 Uhr

Die Ausstellung zeigt rund 500 bestickte und teilweise mit Glasperlen geknüpfte, kleine Musterstücke. Sie sind von unterschiedlicher Qualität, meist jedoch sehr sorgfältig und fein gearbeitet. 1921 wurden sie als „ruthenische Frauenarbeiten“ in die Sammlung des Volkskundemuseums aufgenommen. Das Spannende an den Stücken sind jedoch vor allem die Umstände, unter denen sie gefertigt wurden: Sie entstanden in Lagern für Flüchtlinge aus dem Osten der Habsburgermonarchie zu Beginn des Ersten Weltkriegs, und sie waren schon einmal in einer Ausstellung zu sehen.1915 wurden sie im Rahmen der Propagandaschau „Die Kriegshilfe. Kunst, Gewerbe und Industrie im Dienst der Kriegshilfe" gezeigt, mit der das k.k. Ministerium des Innern der Öffentlichkeit beweisen wollte, wie gut es sich der Flüchtlingsströme annehme.

Im Jahr 2014 geht es um eine Analyse der damaligen Präsentation, es geht um die Frage, warum die Herstellung von Handarbeiten dazu dienen konnte, die angeblich gute Versorgung der Flüchtlinge zu untermauern, und es geht nicht zuletzt darum, zu hinterfragen, weshalb sie als „ruthenisch" bezeichnet wurden. In der Habsburger Monarchie verwendete man diesen Begriff nämlich als Sammelbezeichnung für alle Bevölkerungsgruppen, die eine ostslawische Sprache verwendeten. Die Musterstücke waren jedenfalls von Frauen aus Orten in Galizien, also aus der heutigen Ukraine und dem heutigen Polen, gefertigt worden. In wie weit die Ausstellung 1915 auch der Herstellung einer ruthenischen Identität dienen sollte und welche Rolle bei Ethnifizierungsprozessen allgemein textilen Arbeiten, vor allem Stickereien zukommt, auch das wird Thema der Ausstellung 2014 sein.
Zur Ausstellung erscheint ein Katalog.

Objekte im Fokus ist eine Ausstellungsreihe, die Einblicke in die Sammlungen des Österreichischen Museum für Volkskunde ermöglicht und mit einer genauen Objektanalyse verbunden ist. In diesem Rahmen werden Sammlungsbestände aus den Depots des Museums gezeigt, die nicht durch Leihgaben ergänzt werden (2010 Schreibzeuge, 2011 Judaika, 2012 Die Textilmustersammlung Emilie Flöge, 2013 Die Waffensammlung des Volkskundemuseums).

Objects in Focus 5
Works by Ruthenian Refugees in World War I:
Embroidery and Knotting Samples
30 April to 2 November 2014

The exhibition presents a collection of about 500 small, mostly embroidered textile samples. The pieces are of varying quality, yet for the most part very carefully and finely crafted. They were inventoried as a "Collection of Ruthenian Women's Works". The interesting thing about them is less their technical and ornamental finesse than the circumstances of their creation: They were made in camps for refugees from the east of the Habsburg Monarchy at the beginning of World War I. And in 1915, they were part of the propaganda exhibition "War Aid. Art, Commerce and Industry Serving the War Aid Effort", used by the Austro-Hungarian Ministry of the Interior to prove to the public just how well it supposedly cared for the massive influx of refugees.
The main goal of the 2014 exhibition will be to analyse the 1915 presentation, to address the question of why the production of handicrafts was capable of underpinning the claim that the refugees were being well cared for, and last but not least to question why these people were called "Ruthenians". In the Habsburg Monarchy, the word was used as a collective term for all population groups speaking a Russian language; among others, these were mainly Ukrainians, Lemkos, Boykos and Hutsuls in Galicia. The Ruthenian refugees' works kept at the Museum of Folk Life and Folk Art were made by women from places in Galicia, i.e. modern-day Ukraine and Poland. The 2014 exhibition will also explore to what extent the 1915 exhibition was intended to serve the creation of a Ruthenian identity and the role textile works, particularly embroidery, play in ethnicization processes.

Objects in Focus is a series of exhibitions providing insights into the collections of the Austrian Museum of Folk Life and Folk Art and is coupled with a detailed object analysis.


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