Mai 2021

which dances

Choreografische Assemblage

Aluminium ist eine selbstverständliche, gefährliche Kostbarkeit. Die praktische Eleganz und leichte Formbarkeit, durch die Aluminium einer der meist gebrauchten Stoffe unserer Gesellschaft ist, verbindet sich mit dem hohen Energieaufwand der Herstellung und den ökologischen Zerstörungen, die mit dieser einhergeht. which dances gestaltet als choreografische Assemblage eine temporäre Zone, in der die Freundschaft zwischen Kunst und Philosophie sich mit alltäglichen Praktiken und Gewohnheiten verknüpft.
Für which dances heißt das, Praktiken und Erzählungen des Recycelns, des umweltschonenden Produzierens, des Widerstands, und des Lernens aus biologischen Vorgängen aufzusuchen und diese als Grundlage für ästhetische Spekulationen zu nützen. Im Zeitalter des Anthropozän sind neue Formen der Koexistenz zwischen allen Lebensformen noch zu erforschen. Zum Beispiel wurden in Kolontár, Ungarn nach dem Industrieunglück von MAL AG (Magyar Alumínium) Buchen gepflanzt, um dem Boden die Schwermetalle des übergelaufen Rotschlamms zu entziehen. Oder es wird von Möglichkeiten berichtet, mit siliziumhaltigen Nahrungsmitteln Aluminium aus dem Körper auszuleiten.

which dances ist im Bereich von Kunst und Ökologie angesiedelt, die auf der Überzeugung beruht, dass Kunst mit ihrer interdisziplinären Sprache zwischen Natur und Mensch in Bezug auf die bestehende Umweltproblematik vermitteln kann und somit die Lebensbereiche der verschiedenen Existenzformen auf der Erde zum Positiven verändert. Das Projekt ist eine choreographische Assemblage, in der menschliche und nicht-menschliche Akteur*innen zusammenwirken. which dances bewegt sich entlang den Übergängen der Performance darstellender und bildender Kunst und erforscht neue Präsentationspraktiken, die sich mit dem Ineinandergreifen des Subjekt- und Objektbegriffs und der Performance von materiellen und immateriellen Praktiken beschäftigen.

Dafür richtet das künstlerische Team bestehend aus Sabina Holzer, Jack Hauser, Elisabeth Schäfer, Brigitte Wilfing und Thomas Wagensommerer seine Aufmerksamkeit auf Aluminium und geht den ästhetischen, materiellen, sozio- und popkulturellen Verschränkungen nach, die dieses Material aktiviert. Wir beziehen uns dabei auf die transdisziplinäre, transmediale und transversale Herangehensweise des new materialism und dessen kritischen Auseinandersetzungen mit dem Anthropozän.

Die öffentlich zugängliche künstlerische Setzung dehnt sich über den Zeitraum von einer Woche und gestaltet sich als choreografische Assemblage aus verschiedenen Vernetzungen des Stoffs Aluminium – Alltagsgebrauch, Werkstoff, Geologie, Anatomie. Das choreografische Gefüge ist informiert von den unterschiedlichen Materialbezügen und setzt sich aus Raumgestaltung,  Tänzen, Texten, Film, Sound und einer Reihe von Lectures und Interventionen zusammen. Die Besucher*innen gestalten diese Assemblage über eine Woche mit und sind aktiver Teil der Choreografie. Sie tun das über ihre physische Anwesenheit und sind eingeladen, Material mitzubringen, oder vorhandene Materialien weiter zu formen / schreiben und damit zu tanzen. Tanzen bedeutet hier ein Körperliches-in-Beziehung-treten und Berühren / Lesen vermittelt durch simple Alltagsgesten des Greifens, Ver-setzens, Ab-legens.

Am Anfang und am Ende von which dances wird eine Manifestation in Progress (Performances und Lectures) gesetzt. Während der Woche werden unterschiedliche performative Handlungen: Tanz, Sound, Film, Texte, als immaterielle Skulpturen Teil der Ausstellung. Sie werden mittels einem vom künstlerischen Team entwickelten Score aktiviert. Diese Aktivierung findet statt – ganz gleich, ob Besucher*innen bzw. Zuschauer*innen da sind oder nicht.

Projekt- & künstlerische Leitung: Sabina Holzer
Tanz und andere Texturen: Sabina Holzer
Raum, künstlerische Begleitung, Video: Jack Hauser
Textliche & inhaltliche Begleitung: Elisabeth Schäfer
Choreographische Begleitung: Brigitte Wilfing
Sound: Thomas Wagensommerer

www.cattravelsnotalone.at

Gefördert von Wien Kultur.
Mit Dank an Im_flieger, Stoffwechsel - Ökologie der Zusammenarbeit, SeeLab - Jot12.
Eine Kooperation von cattravelsnotalone und Volkskundemuseum Wien


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