Eine Performance der Mobilen Akademie Berlin zu gegenwärtigen Erinnerungskulturen
Wo:
Brunnenpassage am Yppenplatz, 1160 Wien
Wann:
Samstag, 11. April, 15:30–18:30 Uhr & 19:30–22:30 Uhr
Sonntag, 12. April, 15:30–18:30 Uhr & 19:30–21:30 Uhr
Durchgehend Einlass, Deutsch & Englisch mit Simultanübersetzung
Wien, 26. März 2026. Erinnerungsprobleme? Erinnerungskonkurrenz? Probieren wir ein anderes Gedächtnistheater. Einen performativen Vorschlag für eine plurale Erinnerungskultur in einer Migrationsgesellschaft.
Erinnerung ist kein statisches Archiv, sondern ein lebendiger, widersprüchlicher Prozess – ein Spiel aus Addition und Auffächerung, das Vergangenheit, Gegenwart und mögliche Zukünfte verbindet. MEMORY, SPEAK!, eine Performance der Mobilen Akademie Berlin in Kooperation mit dem Volkskundemuseum Wien und der Initiative Erinnern in Zukunft der Brunnenpassage, erkundet die Vielstimmigkeit des Erinnerns in einer Migrationsgesellschaft.
Sind wir es, die vergessen werden?
Oder sind wir es, die vergessen werden?
Über zwei Tage verwandelt sich die Brunnenpassage in einen Resonanzraum, in dem sich Biografien, Orte und Zeiten überlagern. Das Publikum bewegt sich frei durch den Raum und wählt per Kopfhörer, welchen Erzählungen es folgen möchte.
1. Casting für eine Langzeitdokumentation
Elf Kandidat*innen werden vor einer Jury live interviewt: Sind sie geeignete Protagonist*innen für eine filmische Langzeitdokumentation, die sie über zehn Jahre begleitet, um festzuhalten, wie sie das kommende Jahrzehnt erlebt haben werden? Die Jury sucht nach Menschen, die in ihren Erinnerungen Zukünfte aufblitzen lassen. Roter Faden der Gespräche ist ein Fragebogen, der auf Oral-History-Interviewtechniken, Künstler*innenfragebögen, der Zusammenarbeit der Mobilen Akademie mit der kolumbianischen Wahrheitskommission sowie dem spezifischen Hintergrundwissen der Jurymitglieder basiert. Nachdem MEMORY, SPEAK! im Dezember 2025 in der Berliner Akademie der Künste die geplante Serie von Castings eröffnete, ist nun die Brunnenpassage die nächste Station. Das anschließende Filmprojekt wird von der in Russland geborenen und in Wien lebenden Künstlerin Anna Jermolaewa realisiert.
2. The Black Caribbean Radio
Eine Radiosendung über El Corte, das Petersilienmassaker von 1937 in der Dominikanischen Republik – einer der verschwiegenen Genozide des 20. Jahrhunderts. Wie spricht man über Leben, die aus der Geschichte herausgeschnitten wurden und doch subkutan weiterpulsieren, beharrlich und widerspenstig die plantation logics stören, die die Gegenwart bestimmen? Die Radioübertragung stimmt auf Frequenzen dessen ein, was nicht verschwinden will: Klänge und Träume, Erinnerungsfetzen und Familiengeschichten, theoretische, literarische und poetische Spuren beschwören die Geister, die aus den offiziellen Archiven vertrieben wurden. Die von Sarah Lewis-Cappellari geschriebenen und gelesenen Texte werden akustisch von Aufnahmen des aus der Ukraine stammenden Künstlers und Musikers Anton Kats begleitet. „You see, I know a sugar woman who dances in chains but laughs at locks …“
3. Kasala Kontinuum
Kasala bedeutet auf Tshiluba Anrufung, Beschwörung oder Lobpreisung. Es ist nach einer Definition von E. M. Mirembe ein Lobgedicht in freien Versen, das von professionellen Rezitator*innen bei Beerdigungen und anderen Familienfesten vorgetragen wird. Es stellt Personen und Biografien in einer bildhaften Sprache vor, die nicht Informationen teilen, sondern vor allem Emotionen wecken soll. Eine Kasala Performance bindet über mehrere Stunden hinweg die Aufmerksamkeit der angesprochenen Community, versammelt Anwesende und Abwesende, Tote und Lebende. Sie verändert sich mit dem Kontext, in dem sie vorgetragen wird, ist nie zweimal dieselbe. In dem Video des kongolesisch-deutschen Duos Mukenge/Schellhammer findet ein Kasala für die kongolesische Kunstszene in Kinshasa statt. Wie kann die Kunstgeschichte eines Ortes geschrieben werden, an dem Diskurse und Debatten vor allem mündlich stattfinden und selten archiviert werden? Das Video zeigt eine Performance der Kasala-Sprecherin Cécile Tuseku im Kunstraum Plateforme Contemporaine in Kinshasa.
Mit MEMORY, SPEAK! setzt die Mobile Akademie Berlin (MAB) eine Reihe von Erinnerungs- und Gedächtnisprojekten fort, die vor 25 Jahren mit der „Filiale für Erinnerung auf Zeit“, inspiriert von Aleida Assmann, in Hamburg begann. Es folgten „Das Milieu der Toten“ in Wien und Berlin 2013–2018, die „Gespräche aus der Dunkelkammer“ in Novosibirsk 2016 sowie eine Reihe von Projekten, die zwischen 2018 und 2021 gemeinsam mit der kolumbianischen Wahrheitskommission (Comisión de la Verdad) in Bogotá und Barrancabermeja entstanden sind.
Bekannt wurde die MAB in Österreich durch ihre „Märkte für nützliches Wissen und Nichtwissen“: 2007 lief dieses performative Format mit 100 Experten beim steirischen herbst zum Thema „Die Gabe“. 2008 stellte es im Rahmen der Wiener Festwochen die Frage: „Wer wird schuld gewesen sein?“. 2019 stand in einem mehrstündigen Marathon im Festsaal des Wiener Rathauses „Das Rote Wien 1919 – 2019 – 2119“ im Fokus.
MEMORY, SPEAK! ist ein Projekt von Science Communications Research und Mobile Akademie Berlin in Zusammenarbeit mit dem Volkskundemuseum Wien und der Initiative Erinnern in Zukunft der Brunnenpassage. Das Projekt wird begleitet mit einer Lehrveranstaltung des Co.Lab für Erinnerungsarbeit • ästhetisch-politische Praktiken der Kunstuniversität Linz. Gefördert von der Stadt Wien Kultur.
gesine.stern@volkskundemuseum.at
+43 676 5668523
Claus Philipp
claus.philipp@gmx.net
+43 699 11076322
Wo:
Brunnenpassage am Yppenplatz, 1160 Wien
Wann:
Samstag, 11. April, 15:30–18:30 Uhr & 19:30–22:30 Uhr
Sonntag, 12. April, 15:30–18:30 Uhr & 19:30–21:30 Uhr
Durchgehend Einlass, Deutsch & Englisch mit Simultanübersetzung
Wien, 26. März 2026. Erinnerungsprobleme? Erinnerungskonkurrenz? Probieren wir ein anderes Gedächtnistheater. Einen performativen Vorschlag für eine plurale Erinnerungskultur in einer Migrationsgesellschaft.
Erinnerung als kollektives Echtzeitexperiment
Erinnerung ist kein statisches Archiv, sondern ein lebendiger, widersprüchlicher Prozess – ein Spiel aus Addition und Auffächerung, das Vergangenheit, Gegenwart und mögliche Zukünfte verbindet. MEMORY, SPEAK!, eine Performance der Mobilen Akademie Berlin in Kooperation mit dem Volkskundemuseum Wien und der Initiative Erinnern in Zukunft der Brunnenpassage, erkundet die Vielstimmigkeit des Erinnerns in einer Migrationsgesellschaft.
Sind wir es, die vergessen werden?
Oder sind wir es, die vergessen werden?
Über zwei Tage verwandelt sich die Brunnenpassage in einen Resonanzraum, in dem sich Biografien, Orte und Zeiten überlagern. Das Publikum bewegt sich frei durch den Raum und wählt per Kopfhörer, welchen Erzählungen es folgen möchte.
Drei Bühnen für unterschiedliche Formen des Erinnerns
1. Casting für eine Langzeitdokumentation
Elf Kandidat*innen werden vor einer Jury live interviewt: Sind sie geeignete Protagonist*innen für eine filmische Langzeitdokumentation, die sie über zehn Jahre begleitet, um festzuhalten, wie sie das kommende Jahrzehnt erlebt haben werden? Die Jury sucht nach Menschen, die in ihren Erinnerungen Zukünfte aufblitzen lassen. Roter Faden der Gespräche ist ein Fragebogen, der auf Oral-History-Interviewtechniken, Künstler*innenfragebögen, der Zusammenarbeit der Mobilen Akademie mit der kolumbianischen Wahrheitskommission sowie dem spezifischen Hintergrundwissen der Jurymitglieder basiert. Nachdem MEMORY, SPEAK! im Dezember 2025 in der Berliner Akademie der Künste die geplante Serie von Castings eröffnete, ist nun die Brunnenpassage die nächste Station. Das anschließende Filmprojekt wird von der in Russland geborenen und in Wien lebenden Künstlerin Anna Jermolaewa realisiert.
2. The Black Caribbean Radio
Eine Radiosendung über El Corte, das Petersilienmassaker von 1937 in der Dominikanischen Republik – einer der verschwiegenen Genozide des 20. Jahrhunderts. Wie spricht man über Leben, die aus der Geschichte herausgeschnitten wurden und doch subkutan weiterpulsieren, beharrlich und widerspenstig die plantation logics stören, die die Gegenwart bestimmen? Die Radioübertragung stimmt auf Frequenzen dessen ein, was nicht verschwinden will: Klänge und Träume, Erinnerungsfetzen und Familiengeschichten, theoretische, literarische und poetische Spuren beschwören die Geister, die aus den offiziellen Archiven vertrieben wurden. Die von Sarah Lewis-Cappellari geschriebenen und gelesenen Texte werden akustisch von Aufnahmen des aus der Ukraine stammenden Künstlers und Musikers Anton Kats begleitet. „You see, I know a sugar woman who dances in chains but laughs at locks …“
3. Kasala Kontinuum
Kasala bedeutet auf Tshiluba Anrufung, Beschwörung oder Lobpreisung. Es ist nach einer Definition von E. M. Mirembe ein Lobgedicht in freien Versen, das von professionellen Rezitator*innen bei Beerdigungen und anderen Familienfesten vorgetragen wird. Es stellt Personen und Biografien in einer bildhaften Sprache vor, die nicht Informationen teilen, sondern vor allem Emotionen wecken soll. Eine Kasala Performance bindet über mehrere Stunden hinweg die Aufmerksamkeit der angesprochenen Community, versammelt Anwesende und Abwesende, Tote und Lebende. Sie verändert sich mit dem Kontext, in dem sie vorgetragen wird, ist nie zweimal dieselbe. In dem Video des kongolesisch-deutschen Duos Mukenge/Schellhammer findet ein Kasala für die kongolesische Kunstszene in Kinshasa statt. Wie kann die Kunstgeschichte eines Ortes geschrieben werden, an dem Diskurse und Debatten vor allem mündlich stattfinden und selten archiviert werden? Das Video zeigt eine Performance der Kasala-Sprecherin Cécile Tuseku im Kunstraum Plateforme Contemporaine in Kinshasa.
Hintergrund: Mobile Akademie Berlin
Mit MEMORY, SPEAK! setzt die Mobile Akademie Berlin (MAB) eine Reihe von Erinnerungs- und Gedächtnisprojekten fort, die vor 25 Jahren mit der „Filiale für Erinnerung auf Zeit“, inspiriert von Aleida Assmann, in Hamburg begann. Es folgten „Das Milieu der Toten“ in Wien und Berlin 2013–2018, die „Gespräche aus der Dunkelkammer“ in Novosibirsk 2016 sowie eine Reihe von Projekten, die zwischen 2018 und 2021 gemeinsam mit der kolumbianischen Wahrheitskommission (Comisión de la Verdad) in Bogotá und Barrancabermeja entstanden sind.
Bekannt wurde die MAB in Österreich durch ihre „Märkte für nützliches Wissen und Nichtwissen“: 2007 lief dieses performative Format mit 100 Experten beim steirischen herbst zum Thema „Die Gabe“. 2008 stellte es im Rahmen der Wiener Festwochen die Frage: „Wer wird schuld gewesen sein?“. 2019 stand in einem mehrstündigen Marathon im Festsaal des Wiener Rathauses „Das Rote Wien 1919 – 2019 – 2119“ im Fokus.
Praktische Informationen
- Ort: Brunnenpassage, Brunnengasse 71 / Yppenplatz, 1160 Wien
- Livestream hier: Speisen ohne Grenzen (Yppengasse 2/4) und Fania (Yppengasse 1)
- Sprachen: Deutsch & Englisch (Simultanübersetzung)
- Eintritt: Pay as you can
- Anmeldung: bit.ly/memoryspeak
MEMORY, SPEAK! ist ein Projekt von Science Communications Research und Mobile Akademie Berlin in Zusammenarbeit mit dem Volkskundemuseum Wien und der Initiative Erinnern in Zukunft der Brunnenpassage. Das Projekt wird begleitet mit einer Lehrveranstaltung des Co.Lab für Erinnerungsarbeit • ästhetisch-politische Praktiken der Kunstuniversität Linz. Gefördert von der Stadt Wien Kultur.
Weiterführende Links
- Science Communications Research: research.science.co.at
- Mobile Akademie Berlin: mobileacademy-berlin.com
- Volkskundemuseum Wien: volkskundemuseum.at
- Brunnenpassage: brunnenpassage.at
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