MUSMIG! Moving in - Moving out

Zwei Tage der Bescheide

Fr, 19.04.2024, 17:00
MUSMIG – Museum der Migration zog im Jänner 2024 im Volkskundemuseum Wien ein und eröffnete sein erstes Direktionszimmer. Am 18. und 19. April 2024 wollen wir nun die ersten Zwischenergebnisse unserer Arbeit an dem Sammelprojekt „Gib Bescheid“ vorstellen und diskutieren, wie die bisherige Reise verlief und wo sie für MUSMIG hingeht.
Lässt sich der permanente Zustand des moving in – moving out, dieser quasi-typisierte Zustand des und der Migrierenden, feiern? Oder kann er nur rituell betrauert werden? Welche Rolle spielt dabei das Hoffen, Erzählen, Schreiben, Tanzen, Festhalten, Loslassen, Zuhören, Weghören, Ausstellen – und das Warten? Wir gehen dem Gefühl des Ein-, Weiter- und Auszugs, des An- und Abmeldens, der Angst, der Wut und der Freude an zwei Tagen der Bescheide in Performances, Gesprächen, Ritualen, Installationen und Lesungen nach.
 
DONNERSTAG, 18.4.2024
Tag der Bescheide (1): archivieren. ausstellen. tanzen. singen. warten

19.00: Begrüßung. MUSMIG-Kollektiv, Elena Messner (Kulturwissenschaftlerin & Schriftstellerin), Ljubomir Bratić (Philosoph und Sozialarbeiter), Araba Johnston-Arthur (Künstlerin und Kuratorin)

19.15 – 19.45: Das Villa-Archiv. Ein Stück Grazer Migrationsgeschichte. Einführende Worte durch Elisabeth Berger von der Sammlung des Graz Museum. Enthüllung des Displays. Gespräch über Archive des Ankommens mit Gunda Bachan (Flüchtlingsaktivistin, Künstlerin), Magdalena Kovačič (Filmproduktion), Marianna Asatryan (Schneidermeisterin) und Ylber Hoxhaj (Curcafé) (Raum 8)

19.45 – 20.00: Digitales Archivieren – Viena Chilena. Elena Messner im Gespräch mit Andrés Peña (Verein zur Förderung der österreichisch-chilenischen Erinnerungskultur) (Raum 8)
Viena Chilena (das chilenische Wien) ist ein Ausdruck kollektiver Selbstermächtigung. Der Sichtbarmachung von Verborgenem. Zeitzeuginnen ergreifen das Wort und erzählen ihre Geschichte. Die Erfahrung von Flucht und Ankunft, Hilfe und Zurückweisung, Verlust und Neuanfang. Eine Geschichte des Exils und der Migration in all ihren Facetten. Historische Erinnerungen werden in zwei Formaten präsentiert: einem Online Archiv und einer virtuellen Ausstellung. So schreiben sie sich in die Wiener Erinnerungsgesellschaft ein. https://www.vienachilena.org, memoriaaustriachile@gmail.com, FB: https://www.facebook.com/VienaChilena7323, Instagram: https://www.instagram.com/viena.chilena

20.00 – 20.20: Zäsur – Sprungbrett – Hoffnungsträger. Was erzählen Bescheide? Gespräch mit Magdalena Winkler und Anna Seidel über das gleichnamige Ausstellungsprojekt.
Für Behörden sind Bescheide Dokumente, auf deren Grundlage Ämter und Gerichte handeln und entscheiden. Für die Menschen, die sie erhalten, bergen Bescheide allerdings meist tiefgreifende biografische Bedeutungen. Sie können existentielle Rechte eines Menschen garantieren oder beschneiden, Lebenswege eröffnen oder blockieren. In diesem Ausstellungsprojekt erzählen Personen, die seit den 1980er Jahren aus unterschiedlichen Regionen der Welt nach Österreich migriert sind, über ihre Bescheide und zeigen damit das auf, was zwischen den Zeilen von Bescheiden verloren geht: die konkrete, zäsurale Konsequenz von Bescheiden für individuelle, menschliche Existenzen.

20.20 – 20.30: Le Schengen Sans Peine von Vahida Ramujkić und Non-Degree Diploma von Vira Hanzha (feat. & kommentiert von Natalie Deewan)
Zwei künstlerische Annäherungen an die Bürokratie der Grenze fanden Eingang in das Sammelprojekt „Gib Bescheid“; die Schreib-, Kompilations- und Malereiprojekte befragen intim oder satirisch die möglichen Grenzüberschreitungen des Bürokratischen. Weitere Infos: www.virahanzha.org, https://sites.google.com/view/virahanzha/drawing-series/2022?authuser=0, https://irational.org/rotorrr/wah/assimil/

Begehung der Ausstellung und informeller Austausch
ab 20.30: Leih mir dein Ohr! In Wien ankommen... – eine Kommunikationslesung der Studierenden der Universität Wien. Gordana Ilić Marković (Sprach- und Kulturwissenschaftlerin)
20.30 – 21.00: Espera Loop. Performance von Gabriela Urrutia Reyes (Künstlerin) and Citlali Gómez Escobar (Pianistin)
21.00 – 21.30: Milost' mira. Performance von Pavel Naydenov & N Choir.


FREITAG, 19.4.2024
Tag der Bescheide (2): ritualisieren. schreiben. lesen. kochen. malen.

17.00-17.50: Rituals für Liberation. Teilnehmer*innen: Vivian Crespo Zurita, Mariama Nzinga Diallo, Araba Evelyn Johnston-Arthur und Lia Kastiyo-Spinósa (Eingang des Volkskundemuseums)
Wir treffen uns, um durch eine ritualistische Performance an Jahrhunderte von globaler Zerstörung zu erinnern. Genozide, Ökozide, Feminizide oder Transfemizide sind alle miteinander verbunden. Wir haben es bis hierher geschafft, weil wir aus unseren Göttinnen und aus früheren Widerstandsbewegungen Kraft ziehen. Unsere Verantwortung ist es, diese Geschichte(n) weiterzugeben.
 
17.50-18.30: „Yara möchte Glück statt Depression“ – Buchpräsentation und Lesung., Autor*innen: Entsar Akras, Fatima Teymori, Habiba Ahmadi, Khadija Al Zade, Larisa Pogosyan, Nasro Absnir Ali, Zahra Khawari, Zainab Mahamud Ahmed. Moderation: Rubia Salgado
„Yara möchte Glück statt Depression“ wurde von Lernenden eines fortgeschrittenen Alphabetisierungskurses geschrieben. Teilnehmer*innen waren migrierte und geflüchtete Frauen*. Im Buch wird die Geschichte einer geflüchteten Frau* erzählt: Ihre Lebenssituation in Österreich, ihre Fluchtroute, ihre Wünsche, Bedürfnisse und Forderungen. (das-kollektiv.at)

18.30 – 19.00: Das Villa-Archiv. Ein Stück Grazer Migrationsgeschichte. Moderation: Gunda Bachan (Integrationsaktivistin, Künstlerin), Solsa Ersermikov (Office Manager), Madina Pajzulaeva (Kinderbetreuerin, Gipsassistentin) und Sabur Ghausi (LKW-Fahrer)

19.00 – 20.30: Speisen, Übersetzung, Übertragen der Kulturen im Europäischen Mittelalter. Vortrag: Andrea Hofmeister (Germanistin, Mediävistin). In Kooperation mit Neuen Wiener Diwan.
Wie verbinden Küchen die Menschen? Wie vollzieht sich der Kulturtransfer still und unbemerkt? Begleitend zu diesen Fragen wird Andrea Hofmeister einen Vortrag zum Thema Transfer der Kochkultur halten.

Ab 20.30: UrbanNomadMixes, a performative Intervention. Installation und Performance


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Künstlerische Kuration: MUSMIG. Elena Messner, Gabriela Urrutia Reyes, Anna Seidel, Araba Johnston Arthur, Ljubomir Bratić, Mariama Nzinga Diallo, Lia Kastiyo-Spinósa * Koordination: Elena Messner * Produktion: Lena Flatscher
Gefördert von der Wissenschaftsabteilung der Stadt Wien
In Kooperation mit Neuer Wiener Diwan, Viena Chilena, Fremde werden Freunde, das-kollektiv.at, Graz Museum
Eine Kollaboration von MUSMIG mit dem Volkskundemuseum Wien im Rahmen des Projekts „before it gets better ...“ - Open Spaces & Galleries 


Hintergrund:
Das Kollektiv MUSMIG ist ein Versuch migrantischer Selbsthistorisierung und fordert ein Museum der Migration in Österreich. Seit 2019 arbeiten Historiker*innen, Sozial- und Kulturwissenschaftler*innen, Künstler*innen und Aktivist*innen in einem freien und wachsenden Kollektiv zusammen und organisieren Austausch und Dialog zu den Möglichkeiten und Konzepten eines Museums der Migration in Wien. Auf Ausstellungs- und Diskursprojekte 2019 und 2020 folgten Workshops und eine Corona-bedingte Ruhephase. Im Rahmen der WIENWOCHE 2023 wurde ein vierzigköpfiges wissenschaftlich-künstlerisches Plenum veranstaltet und die erste – sechsköpfige – Direktion des Museums ernannt.
 
Im Februar 2024 eröffnete MUSMIG sein erstes Direktionszimmer im Volkskundemuseum Wien. Von Februar bis April 2024 hat sich MUSMIG im Rahmen des kollektiven Ausstellungsprojekts „GIB BESCHEID“ mit der Geschichte, Ästhetik und Praxis von amtlichen Bescheiden sowie deren Ausgabe, Produktion und Rezeption beschäftigt. Die Ausstellung ist als ergebnisoffener und kollektiver Arbeitsprozess konzipiert und bietet Räume für künstlerische Interventionen und historisierend-kontextualisierende Diskussionen.
 
MUSMIG wird aktuell durch Ljubomir Bratić, Gabriela Urrutia Reyes, Elena Messner, Mehmet Emir, Araba Evelyn Johnston-Arthur, Mariama Nzinga Diallo, Lia Kastiyo-Spinósa, Anna Seidel, Savo Ristić u.v.a. vertreten.
 
www.musmig.wordpress.com
MUSMIG im VKM

Volkskundemuseum Wien
Laudongasse 15–19, 1080 Wien
T: +43 1 406 89 05
F: +43 1 406 89 05.88
E: office@volkskundemuseum.at

Hildebrandt Café
T: +43 1 406 89 05.10
E: hi@hildebrandt.cafe
Online Tischreservierung

Öffnungszeiten
Museum:
Di bis So, 10.00 bis 17.00 Uhr
Führungen und Programm: Termine
Bibliothek:
Besuch nach Voranmeldung
SchönDing Shop | Café:
Di bis So, 10.00 bis 17.00 Uhr

Hildebrandt Café:
Di bis So, 10.00 bis 18.00 Uhr
Mostothek:
Di, ab 17.00 Uhr


Eintritt frei
im ganzen Museum