Volkskundemuseum Wien
Otto Wagner Areal, Pavillon 1
Baumgartner Höhe 1, 1140 Wien
Öffnungszeiten:
Di-Fr: 10-17 Uhr
Anfahrt
Postanschrift:
Laudongasse 15-19, 1080 Wien
T: +43 1 406 89 05
F: +43 1 406 89 05.88
E: office@volkskundemuseum.at
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Mostothek @ OWA
Mai-Sep: Dienstags, 17 Uhr
Du dokumentierst das Volkskundemuseum jetzt schon seit rund zehn Jahren. Erinnerst du dich an deinen ersten Auftrag bei uns?
Ich erinnere mich vor allem an den ersten Kontakt mit euch. Das war damals noch gar kein klassischer Auftrag, sondern im Rahmen der Vienna Design Week. Ich habe im Volkskundemuseum fotografiert und ziemlich schnell gemerkt, dass das ein sehr interessantes Haus ist – mit spannenden Themen und sehr interessanten Menschen. Kurz darauf ging es schon los mit den ersten Ausstellungen und Veranstaltungen und daraus hat sich über die Jahre eine sehr lange Zusammenarbeit entwickelt.
In dieser Zeit hast du Ausstellungen, Veranstaltungen, Menschen und zuletzt auch die Baustelle in der Laudongasse fotografisch begleitet. Deine Bilder prägen das Bild des Museums nach außen. Worauf achtest du bei deiner Arbeit? Was macht ein gutes Bild aus?
Ein gutes Bild erzählt. Im Idealfall sogar auf mehreren Ebenen. Natürlich gelingt das nicht immer, aber das ist das, was mich antreibt – bei Veranstaltungen genauso wie bei Details oder Portraits. Ich habe beim Fotografieren oft eine Fragestellung im Kopf und versuche, sie über Bilder aufzulösen.
Wichtig ist mir, dass Bilder zugänglich sind. Natürlich spielen technische Dinge wie Schärfe oder Lesbarkeit eine Rolle, aber entscheidend ist für mich, dass ein Bild etwas ausdrücken möchte. Dass es funktioniert, weil es etwas erzählt.
Besonders deine Portraits sind sehr ausdrucksstark. Wie kommt das?
Bei Portraits interessiert mich nie nur die Person allein, sondern die Person in ihrem Umfeld. Ein Mensch erzählt in seiner Umgebung bereits eine Geschichte. Wenn man jemanden isoliert vor eine weiße Wand stellt, fehlt diese Ebene. Mich reizt eher das Authentische – die Beziehung zwischen Person und Raum, zwischen Menschen und Dingen.
Du arbeitest auch an eigenen Langzeitprojekten, etwa rund um den Storch. Woher kommt dieses Interesse?
Das hat tatsächlich auch mit meiner Annäherung an das Volkskundemuseum und ethnografische Themen zu tun. Mich faszinieren Störche natürlich als Tiere, aber vor allem interessiert mich die Beziehung zwischen Mensch und Storch – also die kulturelle, mythologische und symbolische Ebene.
Es geht mir nicht um Naturfotografie im klassischen Sinn. Ich fotografiere nicht den perfekten Vogelflug. Mich interessiert, wie Menschen den Storch darstellen, welche Geschichten sie über ihn erzählen, welche Bedeutung er hat. Das kann in Skulpturen, Zeichnungen, Erzählungen oder Ritualen sichtbar werden.
Und irgendwann habe ich bemerkt, wie präsent dieses Tier in vielen Regionen Südost- und Osteuropas ist. Der Storch ist ein unglaublich faszinierendes Tier – elegant, zugänglich, fast vertraut. Aber noch spannender ist für mich, was Menschen in ihm sehen.
Du bist dafür viel in Südost- und Osteuropa unterwegs. Was fasziniert dich an dieser Region?
Ich habe die Region noch als Ostblock kennengelernt. Meine Eltern sind mit mir als Kind viel in diese Regionen gereist, das hat mich nachhaltig geprägt. Dieses unvoreingenommene Schauen und ihr Interesse für andere Lebensrealitäten – das habe ich mitgenommen.
Heute interessiert mich Südost- und Osteuropa deshalb noch immer unglaublich. Dort lassen sich oft kulturelle Verhaltensweisen oder Geschichten erkennen, die auch mit unserer eigenen Geschichte verbunden sind. Viele Dinge wirken vertraut und gleichzeitig anders.
Wenn ich unterwegs bin, arbeite ich selten streng nach Plan. Ich schaue mich um, lasse Dinge auf mich zukommen, entdecke Themen. Über die Jahre entwickelt man ein anderes Auge dafür. Man erkennt Zusammenhänge schneller, weil man die Regionen, die Mentalitäten und oft auch die Menschen kennt.
Ein Schwerpunkt deiner Arbeit beschäftigt sich mit Moldau und der Symbolik des Storches. Was macht dieses Thema dort besonders?
In Moldau hat der Weißstorch eine außergewöhnliche Bedeutung. Es gibt dort eine Gründungslegende, nach der Störche während einer osmanischen Belagerung Weintrauben in eine eingeschlossene Festung getragen haben sollen, um die Menschen zu versorgen. Diese Geschichte wurde über Jahrhunderte weitergetragen und prägt bis heute das moldauische Selbstbild.
Später wurde der Storch auch in der Sowjetzeit zu einem starken Symbol – etwa als Motiv für Weinmarken. Dadurch hat sich diese Verbindung noch weiter verstärkt.
Ich arbeite seit mehreren Jahren an einem Langzeitprojekt dazu und verfasse ein Buch über den Symbolismus des Weißstorches in Moldau – gemeinsam mit einer moldauischen Ethnologin. Besonders schön ist für mich, dass sie sagt: Das ist eigentlich ein moldauisches Thema, das bisher niemand in Moldau selbst bearbeitet hat.
Du fotografierst neben Menschen und Situationen auch viel Architektur. Was reizt dich daran?
Architekturfotografie ist für mich fast wie Rätsellösen. Es geht darum, einen Raum so zu zeigen, dass andere ihn verstehen und erleben können. Oft verändert sich ein Bild komplett, wenn man den Standpunkt nur um wenige Zentimeter verschiebt.
Mich faszinieren dabei besonders Gebäude, die nicht perfekt funktionieren. Im Hauptgebäude des Volkskundemuseums in der Laudongasse gibt es keine exakten 90-Grad-Winkel, keine perfekten Symmetrien. Die Räume sind leicht schief, unregelmäßig, historisch gewachsen. Genau das macht sie spannend. Man muss diese Eigenheiten sichtbar machen, statt sie wegzukorrigieren.
Du bist bei Veranstaltungen oft im Hintergrund präsent und schaffst es trotzdem, besondere Momente einzufangen. Wie gelingt dir das?
Das ist viel Erfahrung. Fotografieren hat überraschend wenig mit Technik zu tun, sondern sehr viel mit Menschen und Bewegung im Raum.
Ich vergleiche das manchmal mit der Arbeit eines Hirtenhundes: Man bewegt sich durch Gruppen und beeinflusst sie dabei ständig, oft ohne dass die Leute es bewusst merken. Ein falscher Schritt – und die ganze Situation kippt. Ein guter Schritt – und plötzlich entsteht genau der Moment, den man braucht.
Manchmal muss der Fotograf unsichtbar sein, manchmal sehr präsent. Bei einem Gruppenfoto etwa braucht es Aufmerksamkeit und Führung, bei einer Dokumentation eher Zurückhaltung. Dieses Wechselspiel finde ich spannend.
Die Baustellendokumentation des Haupthauses ist eine ganz eigene Herausforderung. Was macht das Fotografieren einer Baustelle spannend?
Mich fasziniert vor allem, wie radikal sich Räume verändern. Besonders im ersten Stock hat sich das Gebäude völlig verwandelt. Manche Räume erkennt man kaum wieder.
Sehr eindrucksvoll war auch der Moment, als der große Kran aufgebaut wurde. Plötzlich hatte ich das Gefühl: Jetzt beginnt die Baustelle wirklich zu arbeiten. Man versteht dann erst, wie komplex die Logistik und die statischen Herausforderungen hinter so einem Umbau sind. Gleichzeitig verändert sich alles ständig und nach ein paar Wochen existieren auf einmal ganze Orientierungspunkte nicht mehr. Das macht die Dokumentation spannend, aber manchmal auch schwierig.
Wenn du auf die Jahre mit dem Museum zurückblickst: Wie hat sich das Haus verändert?
Ich habe das Gefühl, dass das Volkskundemuseum seit Jahren versucht, ethnografische Themen neu zu denken – sehr offen und progressiv. Das unterscheidet das Haus stark von vielen ethnografischen Museen, die ich aus Südosteuropa kenne. Was ich besonders mag: Hier arbeiten viele junge Menschen. Es gibt keine verstaubte Atmosphäre. Man merkt, dass das Museum versucht, gesellschaftliche Fragen weiterzudenken und neue Perspektiven zu eröffnen. Das hat auch meinen eigenen Blick auf Volkskunde und Ethnografie erweitert.
Was zeichnet für dich die Arbeit im Volkskundemuseum aus?
Die Menschen. Wirklich. Es ist nicht selbstverständlich, Wertschätzung in einer Zusammenarbeit zu erfahren – nicht nur für das Ergebnis, sondern auch als Person. Ich habe immer das Gefühl gehabt, dass hier echtes Interesse aneinander besteht und dass man gemeinsam etwas entwickeln möchte.
Das macht einen großen Unterschied. Dadurch arbeite ich anders, engagierter, nachhaltiger. Ich glaube, man sieht das am Ende auch in den Bildern.
Gibt es einen Lieblingsort im oder rund ums Museum, den du besonders gern fotografierst?
Ja, tatsächlich die Perspektive aus den Seitenräumen hinaus in den Garten. Besonders bei Veranstaltungen im Sommer. Wenn der Garten und Hof belebt sind, die Bäume beleuchtet sind und überall Menschen sitzen – das mag ich sehr.
Die Fensterrahmen geben den Bildern zusätzlich etwas vom Gebäude mit, und gleichzeitig sieht man dieses lebendige Zusammenspiel aus Architektur, Garten und Menschen. Diese Perspektive fotografiere ich immer wieder gern.
Und zuletzt: Gibt es etwas, das dir besonders wichtig ist?
Dass ich Dinge fotografieren kann, die mich wirklich interessieren. Dass ich mit guten Menschen arbeiten darf. Und dass Bilder nicht nur dokumentieren, sondern etwas erzählen.
Und ganz wichtig: gute Schuhe. Für Feldforschung, Reportage und Baustellen sind sie gleichermaßen wichtig. Man muss immer in Bewegung bleiben.
Das Gespräch führten Johanna Amlinger und Gesine Stern.
Kramar (*1971). Pflichtschulen, abgeschlossene Lehrausbildung zum Feinmechaniker, Präsenzdienst, technische Weiterbildung, diverse Betätigungen (Servicetechniker, Medizinjournalist, Müllanalyst, Fotoarchivar, Medienjournalist, Schafschurhilfe, Feldforscher, Pressefotograf, Webdesigner, Fotofachverkäufer), Studium mit Berechtigungsprüfung von Sozialwissenschaften an der Universität Wien, Ausbildung zum landwirtschaftlichen Facharbeiter. Tätig als autodidaktischer Freier- und Auftragsfotograf, Künstler und Forscher mit Interessensschwerpunkt Südost- und Osteuropa. Persönliche Leidenschaften: Sprachen, Kulturtechniken, Zeitgeschichte, Museen, HipHop – und Weißstörche.
www.storkland.eu
www.fischka.com
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Ich erinnere mich vor allem an den ersten Kontakt mit euch. Das war damals noch gar kein klassischer Auftrag, sondern im Rahmen der Vienna Design Week. Ich habe im Volkskundemuseum fotografiert und ziemlich schnell gemerkt, dass das ein sehr interessantes Haus ist – mit spannenden Themen und sehr interessanten Menschen. Kurz darauf ging es schon los mit den ersten Ausstellungen und Veranstaltungen und daraus hat sich über die Jahre eine sehr lange Zusammenarbeit entwickelt.
In dieser Zeit hast du Ausstellungen, Veranstaltungen, Menschen und zuletzt auch die Baustelle in der Laudongasse fotografisch begleitet. Deine Bilder prägen das Bild des Museums nach außen. Worauf achtest du bei deiner Arbeit? Was macht ein gutes Bild aus?
Ein gutes Bild erzählt. Im Idealfall sogar auf mehreren Ebenen. Natürlich gelingt das nicht immer, aber das ist das, was mich antreibt – bei Veranstaltungen genauso wie bei Details oder Portraits. Ich habe beim Fotografieren oft eine Fragestellung im Kopf und versuche, sie über Bilder aufzulösen.
Wichtig ist mir, dass Bilder zugänglich sind. Natürlich spielen technische Dinge wie Schärfe oder Lesbarkeit eine Rolle, aber entscheidend ist für mich, dass ein Bild etwas ausdrücken möchte. Dass es funktioniert, weil es etwas erzählt.
Besonders deine Portraits sind sehr ausdrucksstark. Wie kommt das?
Bei Portraits interessiert mich nie nur die Person allein, sondern die Person in ihrem Umfeld. Ein Mensch erzählt in seiner Umgebung bereits eine Geschichte. Wenn man jemanden isoliert vor eine weiße Wand stellt, fehlt diese Ebene. Mich reizt eher das Authentische – die Beziehung zwischen Person und Raum, zwischen Menschen und Dingen.
Du arbeitest auch an eigenen Langzeitprojekten, etwa rund um den Storch. Woher kommt dieses Interesse?
Das hat tatsächlich auch mit meiner Annäherung an das Volkskundemuseum und ethnografische Themen zu tun. Mich faszinieren Störche natürlich als Tiere, aber vor allem interessiert mich die Beziehung zwischen Mensch und Storch – also die kulturelle, mythologische und symbolische Ebene.
Es geht mir nicht um Naturfotografie im klassischen Sinn. Ich fotografiere nicht den perfekten Vogelflug. Mich interessiert, wie Menschen den Storch darstellen, welche Geschichten sie über ihn erzählen, welche Bedeutung er hat. Das kann in Skulpturen, Zeichnungen, Erzählungen oder Ritualen sichtbar werden.
Und irgendwann habe ich bemerkt, wie präsent dieses Tier in vielen Regionen Südost- und Osteuropas ist. Der Storch ist ein unglaublich faszinierendes Tier – elegant, zugänglich, fast vertraut. Aber noch spannender ist für mich, was Menschen in ihm sehen.
Du bist dafür viel in Südost- und Osteuropa unterwegs. Was fasziniert dich an dieser Region?
Ich habe die Region noch als Ostblock kennengelernt. Meine Eltern sind mit mir als Kind viel in diese Regionen gereist, das hat mich nachhaltig geprägt. Dieses unvoreingenommene Schauen und ihr Interesse für andere Lebensrealitäten – das habe ich mitgenommen.
Heute interessiert mich Südost- und Osteuropa deshalb noch immer unglaublich. Dort lassen sich oft kulturelle Verhaltensweisen oder Geschichten erkennen, die auch mit unserer eigenen Geschichte verbunden sind. Viele Dinge wirken vertraut und gleichzeitig anders.
Wenn ich unterwegs bin, arbeite ich selten streng nach Plan. Ich schaue mich um, lasse Dinge auf mich zukommen, entdecke Themen. Über die Jahre entwickelt man ein anderes Auge dafür. Man erkennt Zusammenhänge schneller, weil man die Regionen, die Mentalitäten und oft auch die Menschen kennt.
Ein Schwerpunkt deiner Arbeit beschäftigt sich mit Moldau und der Symbolik des Storches. Was macht dieses Thema dort besonders?
In Moldau hat der Weißstorch eine außergewöhnliche Bedeutung. Es gibt dort eine Gründungslegende, nach der Störche während einer osmanischen Belagerung Weintrauben in eine eingeschlossene Festung getragen haben sollen, um die Menschen zu versorgen. Diese Geschichte wurde über Jahrhunderte weitergetragen und prägt bis heute das moldauische Selbstbild.
Später wurde der Storch auch in der Sowjetzeit zu einem starken Symbol – etwa als Motiv für Weinmarken. Dadurch hat sich diese Verbindung noch weiter verstärkt.
Ich arbeite seit mehreren Jahren an einem Langzeitprojekt dazu und verfasse ein Buch über den Symbolismus des Weißstorches in Moldau – gemeinsam mit einer moldauischen Ethnologin. Besonders schön ist für mich, dass sie sagt: Das ist eigentlich ein moldauisches Thema, das bisher niemand in Moldau selbst bearbeitet hat.
Du fotografierst neben Menschen und Situationen auch viel Architektur. Was reizt dich daran?
Architekturfotografie ist für mich fast wie Rätsellösen. Es geht darum, einen Raum so zu zeigen, dass andere ihn verstehen und erleben können. Oft verändert sich ein Bild komplett, wenn man den Standpunkt nur um wenige Zentimeter verschiebt.
Mich faszinieren dabei besonders Gebäude, die nicht perfekt funktionieren. Im Hauptgebäude des Volkskundemuseums in der Laudongasse gibt es keine exakten 90-Grad-Winkel, keine perfekten Symmetrien. Die Räume sind leicht schief, unregelmäßig, historisch gewachsen. Genau das macht sie spannend. Man muss diese Eigenheiten sichtbar machen, statt sie wegzukorrigieren.
Du bist bei Veranstaltungen oft im Hintergrund präsent und schaffst es trotzdem, besondere Momente einzufangen. Wie gelingt dir das?
Das ist viel Erfahrung. Fotografieren hat überraschend wenig mit Technik zu tun, sondern sehr viel mit Menschen und Bewegung im Raum.
Ich vergleiche das manchmal mit der Arbeit eines Hirtenhundes: Man bewegt sich durch Gruppen und beeinflusst sie dabei ständig, oft ohne dass die Leute es bewusst merken. Ein falscher Schritt – und die ganze Situation kippt. Ein guter Schritt – und plötzlich entsteht genau der Moment, den man braucht.
Manchmal muss der Fotograf unsichtbar sein, manchmal sehr präsent. Bei einem Gruppenfoto etwa braucht es Aufmerksamkeit und Führung, bei einer Dokumentation eher Zurückhaltung. Dieses Wechselspiel finde ich spannend.
Die Baustellendokumentation des Haupthauses ist eine ganz eigene Herausforderung. Was macht das Fotografieren einer Baustelle spannend?
Mich fasziniert vor allem, wie radikal sich Räume verändern. Besonders im ersten Stock hat sich das Gebäude völlig verwandelt. Manche Räume erkennt man kaum wieder.
Sehr eindrucksvoll war auch der Moment, als der große Kran aufgebaut wurde. Plötzlich hatte ich das Gefühl: Jetzt beginnt die Baustelle wirklich zu arbeiten. Man versteht dann erst, wie komplex die Logistik und die statischen Herausforderungen hinter so einem Umbau sind. Gleichzeitig verändert sich alles ständig und nach ein paar Wochen existieren auf einmal ganze Orientierungspunkte nicht mehr. Das macht die Dokumentation spannend, aber manchmal auch schwierig.
Wenn du auf die Jahre mit dem Museum zurückblickst: Wie hat sich das Haus verändert?
Ich habe das Gefühl, dass das Volkskundemuseum seit Jahren versucht, ethnografische Themen neu zu denken – sehr offen und progressiv. Das unterscheidet das Haus stark von vielen ethnografischen Museen, die ich aus Südosteuropa kenne. Was ich besonders mag: Hier arbeiten viele junge Menschen. Es gibt keine verstaubte Atmosphäre. Man merkt, dass das Museum versucht, gesellschaftliche Fragen weiterzudenken und neue Perspektiven zu eröffnen. Das hat auch meinen eigenen Blick auf Volkskunde und Ethnografie erweitert.
Was zeichnet für dich die Arbeit im Volkskundemuseum aus?
Die Menschen. Wirklich. Es ist nicht selbstverständlich, Wertschätzung in einer Zusammenarbeit zu erfahren – nicht nur für das Ergebnis, sondern auch als Person. Ich habe immer das Gefühl gehabt, dass hier echtes Interesse aneinander besteht und dass man gemeinsam etwas entwickeln möchte.
Das macht einen großen Unterschied. Dadurch arbeite ich anders, engagierter, nachhaltiger. Ich glaube, man sieht das am Ende auch in den Bildern.
Gibt es einen Lieblingsort im oder rund ums Museum, den du besonders gern fotografierst?
Ja, tatsächlich die Perspektive aus den Seitenräumen hinaus in den Garten. Besonders bei Veranstaltungen im Sommer. Wenn der Garten und Hof belebt sind, die Bäume beleuchtet sind und überall Menschen sitzen – das mag ich sehr.
Die Fensterrahmen geben den Bildern zusätzlich etwas vom Gebäude mit, und gleichzeitig sieht man dieses lebendige Zusammenspiel aus Architektur, Garten und Menschen. Diese Perspektive fotografiere ich immer wieder gern.
Und zuletzt: Gibt es etwas, das dir besonders wichtig ist?
Dass ich Dinge fotografieren kann, die mich wirklich interessieren. Dass ich mit guten Menschen arbeiten darf. Und dass Bilder nicht nur dokumentieren, sondern etwas erzählen.
Und ganz wichtig: gute Schuhe. Für Feldforschung, Reportage und Baustellen sind sie gleichermaßen wichtig. Man muss immer in Bewegung bleiben.
Das Gespräch führten Johanna Amlinger und Gesine Stern.
Kramar (*1971). Pflichtschulen, abgeschlossene Lehrausbildung zum Feinmechaniker, Präsenzdienst, technische Weiterbildung, diverse Betätigungen (Servicetechniker, Medizinjournalist, Müllanalyst, Fotoarchivar, Medienjournalist, Schafschurhilfe, Feldforscher, Pressefotograf, Webdesigner, Fotofachverkäufer), Studium mit Berechtigungsprüfung von Sozialwissenschaften an der Universität Wien, Ausbildung zum landwirtschaftlichen Facharbeiter. Tätig als autodidaktischer Freier- und Auftragsfotograf, Künstler und Forscher mit Interessensschwerpunkt Südost- und Osteuropa. Persönliche Leidenschaften: Sprachen, Kulturtechniken, Zeitgeschichte, Museen, HipHop – und Weißstörche.
www.storkland.eu
www.fischka.com
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