heimat : machen

Das Volkskundemuseum in Wien zwischen Alltag und Politik

Mi, 18.10.2017 – So, 11.03.2018
Zertifizierungsmarken der Trachtenberatungsstelle im Volkskundemuseum, Mitte 1930er-Jahre bis 1960er-Jahre : Zertifizierungsmarken der Trachtenberatungsstelle im Volkskundemuseum, Mitte 1930er-Jahre bis 1960er-Jahre. Foto: Christa Knott © Volkskundemuseum Wien
Was haben „Volkskultur“ und „Heimat“ mit Stadt zu tun? Wer nutzt „Heimat“ für seine oder ihre Interessen und wie spielen Volkskunde, Museum und Politik in der Produktion von „Heimat“ zusammen?
Museumsbestände sind Zeugnisse einer spezifischen Museumsgeschichte. Seit 1917 befindet sich das Volkskundemuseum im Barockpalais Schönborn im 8. Wiener Gemeindebezirk. Die Ausstellung heimat : machen nimmt die 100-jährige Nutzung des Hauses als Museum zum Anlass, um über die eigene Geschichte, über Positionierungen und Handlungen im Namen von „Volkstum“ und „Heimat“ zu reflektieren.

Sie schenkt dabei den historischen und mehrfach codierten Räumen und besonders den Sammlungen des Volkskundemuseums Aufmerksamkeit und unternimmt so neue Wege in der Darstellung einer Institution und ihrer Entwicklung. Sie erkundet die Beziehungen zwischen Museum und Stadt, zeigt museale Praktiken im Kontext (kultur-)politischer Entwicklungen und platziert die Institution inmitten wissenschaftlicher, kultureller, sozialer und auch wirtschaftlicher Strömungen.

heimat : machen
Die Zwischenkriegszeit und hier vor allem die 1930er-Jahre als lange nachwirkende Periode in der Geschichte Österreichs und seiner Bundeshauptstadt bilden den Ausgangspunkt für die Ausstellung über das Volkskundemuseum in Wien. In dieser für „Volkskultur“ dynamischen Zeit verdichteten sich Entwicklungen, Praktiken und Netzwerke, die maßgeblich an der großstädtischen Gestaltung von „Heimat“ – gerade auch im Roten Wien – beteiligt waren. Das Volkskundemuseum spielte dabei eine zentrale Rolle und entwickelte sich in einer äußerst spannungsgeladenen und von vielen als krisenhaft wahrgenommenen Zeit zu einer nachgefragten städtischen und auch nationalen Deutungsagentur für das „Eigene“. Über Tracht und Trachtenberatung, Krippe und Krippenspiel, Volkslied und Volkstanz versuchten Politik wie Wissenschaft ein Bedürfnis nach „Heimat“ zu befriedigen und „Heimat“ aktiv zu gestalten. Mit neuen Präsentations- und Vermittlungsformaten, durch Kooperationen mit anderen volkskulturell engagierten Gruppen und Institutionen orientierten sich das Museum und seine Akteur*innen an den Herausforderungen ihrer Gegenwart.

Im Austrofaschismus waren Volkskundler* innen maßgeblich an der von der Politik gewünschten Homogenisierung und Standardisierung von „österreichischer“, respektive „deutscher Volkskultur“ beteiligt und profitierten vielfach von den veränderten politischen Bedingungen. Im Nationalsozialismus erfuhr das Museum eine neuerliche Aufwertung, seine Akteur*innen zogen Vorteile aus den Machtstrukturen des NS-Regimes, nicht zuletzt im Rahmen des Kunstraubs im Auftrag des „Einsatzstab Reichsleiter Rosenberg“. Nach 1945 und bis weit in die Zweite Republik wurden vom Museum die in den 1930er-Jahren intensiv genutzten Bestände aufgegriffen, austrifiziert und alte Netzwerke effektiv reaktiviert. Mit dem Blick auf einzelne Objekte präsentiert die Ausstellung deren Verwendung als „Mittler“ für Ideen und Zielsetzungen rund um „Volkstum“ und „Heimat“. Der Blick auf Akteur*innen und soziale sowie ideologische Praktiken der „urbanen Heimatkultur“ thematisiert elementare, bisher vernachlässigte Verbindungen zwischen Stadt und Museum.

Wer nutzt Volkskunde?
Das Museum als USEum

heimat : machen lädt Besucher*innen der Ausstellung ein, sich aktiv an der Auseinandersetzung mit der Geschichte und der Nutzung des Hauses zu beteiligen. Individuelle Sichtweisen auf Museum und Ausstellung sind willkommen. Darüber hinaus wollen wir mit dem Hashtag #heimatmachen auf die starke politische Einvernahme des Begriffs hinweisen und laden Sie dazu ein, Wahrnehmungen und Assoziationen zur Produktion von Heimat zu teilen. Nutze dein Museum!

Folge und nutze
#heimatmachen


KURATIERUNG UND AUSSTELLUNGSGESTALTUNG

Birgit Johler
ist Kulturwissenschafterin und Ausstellungskuratorin. Seit 2008 arbeitet sie am Volkskundemuseum in Wien und ist daneben in zahlreichen Forschungsprojekten und Ausstellungen tätig sowie als Lehrbeauftragte an österreichischen Universitäten, v.a. an der Universität Wien. 2014 war sie Fellow an der Westfälischen Wilhelms-Universität Münster, ebenfalls seit 2014 verantwortet sie im Team die Neugestaltung der österreichischen Länderausstellung im Staatlichen Museum Auschwitz-Birkenau. Mit März 2017 ist sie Kuratorin im Haus der Geschichte Österreich.

Magdalena Puchberger ist Kulturwissenschafterin und Historikerin. Sie lehrt an österreichischen Universitäten und hat sich in ihren Forschungen mit der Wissens- und Wissenschaftsgeschichte der Volkskunde in Wien und Österreich beschäftigt. Ihre Forschungsschwerpunkte liegen auf nationalen, lokalen und speziell urbanen Identitäts- und Identifikationsprozessen sowie auf Strategien und Dynamiken von „Beheimatung“ in der österreichischen Zwischenkriegszeit. Seit 2017 ist sie Redakteurin der Österreichischen Zeitschrift für Volkskunde.

Gabu Heindl ist Architektin und Stadtplanerin. Sie zeichnet für die Gestaltung der Ausstellung verantwortlich. GABU Heindl Architektur ist spezialisiert auf Realisierungen von öffentlichen Kultur- und Sozialbauten, städtebauliche Studien und Planungen sowie auf Forschung und Publikationen zu radikaldemokratische Planung, Öffentlichkeit und Geschichtspolitik. Zuletzt realisierte Ausstellungen: Wien. Die Perle des Reiches. Planen für Hitler (AZW, 2015); Die 70er – Damals war Zukunft (Schallaburg, 2016); Letzte Orte vor der Deportation (Krypta im Heldendenkmal, 2016).
www.gabu-wang.at


KULTURVERMITTLUNG

Öffentliche Führungen durch die Ausstellung, jeden Sonntag, 15.00 Uhr (Änderungen vorbehalten)
Kosten: Eintritt + € 4,–

Kuratorinnen führen durch die Ausstellung
So, 3.12.2017, 15.00 Uhr
So, 25.2.2018, 15.00 Uhr
Kosten: Eintritt + € 4,-

Informationsveranstaltung für Pädagog*innen
Mi, 18.10.2017, 18.00 Uhr
Mi, 8.11.2017, 18.00 Uhr
Mi, 16.1.2018, 18.00 Uhr
Anmeldung erforderlich
Eintritt frei

Anmeldung und Information: kulturvermittlung@volkskundemuseum.at oder +43 (1) 43 406 89 05.26

Kulturvermittlung ab 14 Jahren: weitere Information


BEGLEITPROGRAMM

Ausstellungseröffnung
Begrüßung: Matthias Beitl, Direktor
Zur Ausstellung: Birgit Johler und Magdalena Puchberger, Kuratorinnen
Eröffnung: Muna Duzdar, Staatssekretärin im Bundeskanzleramt
Die Eröffnung wird durch eine Gebärdensprachedolmetscherin unterstützt.

Führung und Gespräch
Di, 14.11.2017, 18.00 Uhr
power of display
Anmeldung: anmeldung@schnitt.org
Eintritt frei

Tagung
Do, 16. bis Sa, 18.11.2017
Orientieren & Positionieren, Anknüpfen & Weitermachen
Detailliertes Programm und Anmeldung: www.volkskundemuseum.at/tagung
Tagungsgebühr: € 20,–

Performance
Fr, 24.11. und Sa, 25.11.2017, 20.00 Uhr
Die andere Hälfte des Himmels. Harham im Pinzgau. Eine Heimat
von Barbara Gassner, mit musikalischer Untermalung von KMET
Anmeldung erforderlich: kulturvermittlung@volkskundemuseum.at
Eintritt: € 18,–, ermäßigt: € 12,–

Instawalk
Do, 18.1.2018, 18.00 Uhr
Eintritt frei

Dinner im Palais Spezial
100 Jahre Volkskundemuseum Wien im Gartenpalais Schönborn
Do, 19.10.2017, 18.00 Uhr
Do, 16.11.2017, 18.00 Uhr
Do, 15.2.2018, 18.00 Uhr
Rundgang durch die Ausstellung, im Anschluss mehrgängiges Menü im Café bluem im museum.
Anmeldung erforderlich: kulturvermittlung@volkskundemuseum.at

Film
So, 25.2.2018, 16.00 Uhr
Der kommentierte Sonntagnachmittagsfilm:
„Im weißen Rössl“
Der Film- und Politik-Theoretiker und Edutainer Drehli Robnik kommentiert Clips aus unterschiedlichen Filmversionen des Singspiels „Im weißen Rössl“.
Eintritt frei

Um 15.00 Uhr führen die Kuratorinnen durch die Ausstellung

Exkursion
Fr, 9.3.2018, 10.00 Uhr
Seidenweberei Otto Flemmich KG
Die traditionsreiche Wiener Trachtenstofffirma Otto Flemmich KG öffnet ihre Türen: Eine Führung durch das seit 1863 bestehende Unternehmen gewährt Einblicke in die moderne Produktion hochwertiger Stoffe.
Treffpunkt: Seidenweberei Otto Flemmich KG, Lamezanstr. 13, 1230 Wien
In Kooperation mit Otto Flemmich KG
Anmeldung erforderlich: kulturvermittlung@volkskundemuseum.at
Teilnahme kostenlos

Ausstellung gefördert durch


Volkskundemuseum Wien
Laudongasse 15-19, 1080 Wien

T: +43 1 406 89 05
F: +43 1 408 53 42
E: office@volkskundemuseum.at
W: www.volkskundemuseum.at

Dienstag - Sonntag 10-17 Uhr
Montag geschlossen
außer an Feiertagen
24. und 31. Dezember 10-15 Uhr

Schließtage:
1. Jänner, Ostersonntag,
1. Mai, 1. November,
25. Dezember

BesucherInneninformation und Preise

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